Ärzte Zeitung online, 28.07.2011

Hepatitis-Skandal: Japan will Opfer entschädigen

Wahrscheinlich ist es einer der größten Skandale Japans: Bis 1988 haben sich fast eine halbe Million Menschen mit Hepatitis infiziert, weil bei Impfungen Spritzen mehrfach verwendet wurden. Nun hat die Regierung Entschädigungen angekündigt - finanziert durch Steuererhöhungen.

Hepatitis-Skandal: Japan will Opfer entschädigen

Hepatitis aus der Spritze: In Japan will die Regierung jetzt die Opfer eines Impfskandals entschädigen.

© INSADCO / imago

TOKIO (maw). Japan wappnet sich, um bis zu 450.000 Opfer eines zurückliegenden Hepatitis-Skandals zu entschädigen. Die Regierung plane, mittels Steuererhöhungen rund 700 Milliarden Yen (etwa 6,2 Milliarden Euro) für einen Entschädigungsfonds zu generieren, wie die Japan Times in ihrem Online-Auftritt berichtet.

Im Juni habe die Regierung offiziell die Verantwortung für den Skandal übernommen. Zwischen 1948 und 1988 waren Patienten durch den mehrfachen Gebrauch von Einwegnadeln bei Gruppenimpfungen mit dem Hepatitis-Virus infiziert worden.

Zur Debatte stünden laut Japan Times die Erhöhung der Einkommens-, Alkohol- und Tabaksteuer. Damit sollen auch Gesundheitsminister Ritsuo Hosokawa und Finanzminister Yoshihiko Noda grundsätzlich einverstanden sein.

Mehr als eine Billion Yen Gesamtkosten

Im Rahmen eines im Juni verabschiedeten Entschädigungsregimes sollen infizierte Patienten mit Symptomen demnach je bis zu 36 Millionen Yen (rund 320.000 Euro) erhalten.

Patienten, die zwar infiziert wurden, aber keine Symptome zeigten, sollten je 500.000 Yen (etwa 4500 Euro) als Entschädigung erhalten, heißt es.

In den ersten fünf Jahren rechne die Regierung dadurch mit Gesamtkosten in Höhe von 1,1 Billionen Yen (rund 9,8 Milliarden Euro).

Die Regierung werde sich zuerst auf die Opfer konzentrieren, die Hepatitis-Symptome aufzeigten. Dafür strebe sie einen Betrag in Höhe von 800 Milliarden Yen (etwa 7,1 Milliarden Euro) an. 700 Milliarden Yen sollen aus Steuermitteln kommen und 100 Milliarden Yen aus Kürzungen bei den Ausgaben des Gesundheitsministeriums.

Eine von mehreren Steuererhöhungen

Die erste Steuererhöhung für die Entschädigung der Opfer des Hepatitis-Skandals könnte laut Japan Times im April kommenden Jahres anstehen. Dennoch wird die Regierung noch weitere Mittel benötigen, da sie selbst von Gesamtkosten über einer Billion Yen ausgeht.

Erste Stimmen des Widerstandes regten sich laut Japan Times - aus Wirtschafts- und Oppositionskreisen, da das wirtschaftliche Umfeld bereits schwierig sei und die Steuererhöhungen bei Wählern unpopulär seien.

Zum Hintergrund: Gleichzeitig plant Japan, zu Beginn des Fiskaljahres 2012 im April zusätzliche Steuererhöhungen, um über fünf Jahre hinweg etwa 10,3 Billionen Yen (rund 91,5 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau des durch das Megabeben und den anschließenden Tsunami am 11. März zerstörten Gebietes im Nordosten des Landes einzunehmen.

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