Ärzte Zeitung online, 03.08.2011

Mähnenratten wehren Raubtiere mit Gift ab

LONDON (dpa). Afrikanische Mähnenratten nutzen Pflanzengift, um sich gegen Raubtiere zu behaupten.

Mähnenratten wehren Raubtiere mit Gift ab

Eine Afrikanische Mähnenratte im Käfig. Wittert sie Gefahr, stellt sie ihre Haare auf.

© dpa

Das haben Wissenschaftler aus Großbritannien jetzt herausgefunden. Dafür zerkauen die Nagetiere die Pflanzenrinde und verteilen das Gift mit Speichel auf ihrem Fell.

Schon bei der kleinsten Berührung wird das Gift freigesetzt. Für das Raubtier kann solch eine Begegnung nach Angaben der Forscher tödlich enden.

Haare werden bei Gefahr aufgestellt

Wie eine Mähne stellen die kleinen Mäuseverwandten ihre Haare bei drohender Gefahr auf. Dabei erinnern sie eher an Stachelschweine als an Ratten.

Die Gefahr lauert jedoch nicht im langen Deckhaar, sondern in versteckten Fellbereichen, die an beiden Seiten von den Ohren in Richtung Hinterteil verlaufen. Beim Aufstellen der Haare werden diese Bereiche aufgedeckt und eine gefährliche Berührung wahrscheinlicher.

Gewebefäden saugen sich mit Toxin voll

Die Wissenschaftler um Jonathan Kingdon und Professor Fritz Vollrath von der University of Oxford konnten beobachten, wie die Mähnenratten an der Rinde der Strauchpflanze Acokanthera schimperi nagten und kauten und anschließend ihre seitlichen Fellbereiche leckten.

Diese Haarpartien analysierten die Zoologen genauer. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

Unter dem Elektronenmikroskop beobachteten die Forscher im Innern der Haare dünne Gewebefäden, die sich dochtartig mit dem toxischen Speichel-Mix vollsaugen. Wie die Forscher berichteten, konnten sie darin pflanzliches Gift, sogenannte Cardenolide, nachweisen.

Zu ihnen zählt auch Ouabain, das von den Einheimischen Afrikas lange Zeit als Pfeilgift bei der Jagd benutzt wurde.

Warum das Gift nicht bei den Ratten wirkt, ist unklar

Aus überlieferten Erzählungen über Begegnungen von Hunden und Mähnenratten seien verschiedene Wirkungen des Giftes bereits bekannt. Sie sollen von leichter Koordinationsschwäche bis hin zum plötzlichen Herzversagen reichen.

Wieso das Gift bei den Mähnenratten scheinbar keinerlei schädliche Wirkung zeigt, sei noch nicht endgültig geklärt, schreiben die Forscher.

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