Ärzte Zeitung online, 03.08.2011

Online-Junkies schon in der Grundschule

HAMBURG (eb/reh). Auch die Jüngsten sind bereits vom Online-Fieber infiziert: Jedes fünfte Grundschulkind surft und chattet eine Stunde am Tag. So das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage.

Jedes fünfte Grundschulkind surft und chattet täglich

Sieben von zehn Grundschülern sitzen täglich am Rechner.

© st-fotograf / fotolia.com

Doch das ist noch nicht alles: Sieben von zehn Grundschülern sitzen täglich am Rechner.

"Der Computer ist im Alltag kaum noch wegzudenken, deshalb will gerade heute der richtige Umgang mit dem Medium gelernt sein", sagt York Scheller, Diplom-Psychologe bei der TK, die die Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

1000 Eltern befragt

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte bundesweit 1000 Eltern befragt, in deren Haushalt ein Kind zwischen sechs und 18 Jahren lebt.

Dabei sieht der Psychologe durchaus auch positive Aspekte in den neuen Medien: Richtig mit dem Computer zu arbeiten, erleichtere Kindern etwa das Lernen. Denn gerade komplizierte Sachverhalte könnten auf dem Bildschirm anschaulicher dargestellt werden und seien so leichter zu verstehen, so Scheller.

Pädagogisch wertvolle Computerspiele fördern Kreativität

Hinzu komme, dass das Kind die Lerngeschwindigkeit am Computer selbst bestimmen und Informationen ohne Zeitdruck verarbeiten könne. Und - so der Psychologe - pädagogisch wertvolle Computerspiele- und Programme würden die Kreativität fördern.

Aber es kommt nicht nur darauf an, die richtigen Computerspiele und Websites auszuwählen: "Eine halbe Stunde Computer-Spaß für junge Kinder reicht. Dann sollten sich die Kleinen wieder anderen Freizeitbeschäftigungen widmen", rät Scheller.

Außerdem sei es sinnvoll, dass sich Mutter und Vater gelegentlich die Zeit nähmen, mit dem Kind gemeinsam im Netz zu surfen oder ein Computerspiel zu spielen. So lerne der Nachwuchs den richtigen Umgang mit dem Medium.

[23.08.2011, 08:34:15]
Dr. Alexander Kröckel 
Besser ohne Computer im Grundschulalter
Sicher, der Computer ist aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber ob er wirklich für die geistige Entwiklung der Kinder förderlich ist, wage ich zu bezweifeln. Die Kinder spielen alles andere, aber eher keine Lernspiele, wobei es sicher die verantwortungsvollen Eltern geben mag, die es kontrollieren, was das Kind am Computer treibt. Die Uni Düsseldorf (Prof. Dr. Christain Pfeiffer) hat dazu sehr umfangreiche Studien angefertigt. Die Kernaussage ist regelmäßig: Je mehr Zeit die Kinder mit den digitalen Medien (Computer, Spielekonsole, Fernseher) verbringen, desto schlechter sind automatisch die schulischen Leistungen. Die Zeit zum wirklich kreativen Denken, Entwicklung von eigenen (Spiel-)Ideen und vor allem zum Lernen fehlt.
Dr. Alexander Kröckel, Berlin zum Beitrag »

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