Ärzte Zeitung online, 11.08.2011

Tsunami-Alarmsystem fürs Mittelmeer

PARIS (dpa). Tsunamis können auch im Mittelmeer auftreten. Das seit Ende 2005 existierende Warnsystem für den Nordost-Atlantik, das Mittelmeer und die angrenzenden Meere wird jetzt einem ersten Test unterzogen.

Der deutsche Wissenschaftler Dr. Ulrich Wolf von der federführenden zwischenstaatlichen Ozeanographische Kommission (IOC Tsunami) bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch den Auftakt des Experiments. Insgesamt sind daran 31 Länder beteiligt.

Die bei der UN-Wissenschaftsorganisation Unesco in Paris angesiedelte Organisation will dabei vor allem die Informationskanäle für die Benachrichtigungen testen.

Von einer Erdbebenwarte in Istanbul wurden dafür am Mittwoch per Mail und Fax sowie über ein weiteres Kommunikationssystem entsprechende Informationen an alle angeschlossenen Länder - darunter auch Deutschland - versandt. Mit ersten Ergebnissen rechnen die Experten erst in einigen Tagen.

Tsunamis im Mittelmeer selten

In Deutschland wird das in Hamburg ansässige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) Empfänger der sogenannten Watch-Meldungen sein. Indirekt beteiligt ist auch das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam.

Obwohl derartige Riesenwellen im Mittelmeer und im Atlantik seltener auftreten als etwa im Pazifik, gab es in der Vergangenheit auch dort schwere Tsunamis.

So etwa im Jahr 1908. Damals wurden fast 85.000 Menschen im italienischen Messina durch eine Riesenwelle getötet. Auf der Atlantikseite wurde die portugiesische Hauptstadt Lissabon 1755 nach einem Seebeben bei den Azoren schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Den alle zwei Jahre rotierenden Vorsitz des zwischenstaatlichen UN-Koordinierungsgremiums hat zurzeit Frankreich inne.

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