Ärzte Zeitung online, 13.08.2011

Gondel-Unfall: Alle 20 Eingeschlossenen gerettet

Es ist eine Horrornacht auf engstem Raum: 20 Menschen müssen über Stunden in einer Seilbahn-Gondel in den Alpen ausharren. Erst am Samstagmorgen bringen Hubschrauber sie zurück auf die Erde. Die Eingeschlossenen, darunter fünf Kinder, sind wohlauf.

SCHWANGAU (dpa). Gefangen in einer festsitzenden Seilbahngondel haben 20 Menschen 18 Stunden auf ihre Befreiung warten müssen. Erst am Samstagmorgen konnten Hubschrauber sie retten.

Gondel-Unfall: Alle 20 Eingeschlossenen gerettet

Retter per Polizeihubschrauber am Samstagmorgen unterwegs zu den Eingeschlossenen in der Gondel bei Schloss Neuschwanstein.

© dpa

In der engen Kabine mussten die Touristen und der Gondelführer in rund 100 Metern Höhe über einem Steilhang nahe dem Schloss Neuschwanstein ausharren. „Es lief alles glatt“, sagte Roland Ampenberger von der Bergwacht Allgäu.

Unter den Geretteten waren fünf Kinder

Die Geretteten, darunter fünf Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren, wurden in einem Zelt medizinisch betreut und mit Essen, Getränken und Decken versorgt. Alle seien den Umständen entsprechend wohlauf, sagte Ampenberger. Der älteste Eingeschlossene in der etwa zwölf Quadratmeter großen Gondel war 75 Jahre alt.

Die Helfer hatten im Morgengrauen mit der Bergung begonnen. Das gute Flugwetter mit nur wenig Wind habe den „komplexen Einsatz“ am Steilhang erleichtert, sagte Ampenberger. Wenige Stunden zuvor hatte es am 1881 Meter hohen Berg noch stark geregnet.

Zwei Hubschrauber flogen die Eingeschlossenen aus luftiger Höhe nach und nach ins Tal. Die Touristen stammen nach Angaben der Bergwacht aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen – entgegen ersten Angaben war aus Hessen niemand dabei.

Tandemgleiter verfing sich in den Seilen der Bergbahn

Am Freitag hatte sich ein Tandem-Gleitschirm gegen 13.00 Uhr in den Seilen der Bergbahn bei Schwangau verfangen und sie damit blockiert. Der Gleitschirm-Pilot und sein Mitflieger, ein Kameramann aus München, wurden bei dem Unfall leicht verletzt.

132 Menschen warteten zu diesem Zeitpunkt auf der Bergstation der Kabinenbahn. Hubschrauber flogen sie ins Tal. Aus einer zweiten Gondel wurden bis zum Freitagabend 30 Menschen abgeseilt.

In der oberen Gondel saßen die Menschen wegen starken Windes fest

Die in der oberen Gondel festsitzenden Menschen konnten allerdings wegen aufkommender Winde bis zum späten Abend nicht in Sicherheit gebracht werden. Nach Einbruch der Dunkelheit beleuchteten die Rettungskräfte den Berg mit Flutlicht.

Zig Schaulustige verfolgten das Drama vom Tal aus. Ein Versuch, den Gleitschirm aus dem Seil zu lösen und danach die Bahn wieder zu starten, musste in der Nacht abgebrochen werden.

Zu dem spektakulären Rettungseinsatz waren rund 250 Helfer von der Bergwacht, dem Bayerischen Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk, der Feuerwehr und der Polizei ausgerückt.

Zwei Notärzte hielten sich bereit. Einer von ihnen war die ganze Nacht auf einem Stützpfeiler der Bergbahn, um sich im Notfall möglichst schnell zur Gondel vorarbeiten zu können.

Seilbahnreparatur schneller als gedacht?

Die Tegelbergbahn im bayerischen Allgäu kann nach dem Gleitschirm-Unfall möglicherweise früher als erwartet wieder in Betrieb gehen. Am Sonntagnachmittag wurden bereits Probefahrten gemacht, wie eine Mitarbeiterin der Tegelbergbahn bestätigte.

Eventuell könnte die Bahn also bereits am 15. August wieder Personen befördern. In ersten Einschätzungen hatte der Geschäftsführer der Bergbahn, Franz Bucher, gesagt, dass die Reparatur mehrere Tage dauern könnte.

Ermittlung gegen die beiden Gleitschirmflieger

Gegen die beiden Gleitschirmflieger wurden Ermittlungen wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr sowie wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen. Möglicherweise müssen sie auch mit Schadenersatzforderungen rechnen.

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