Ärzte Zeitung online, 14.08.2011

Attentäter Breivik stellt Bluttat auf Utoya nach

Manchen Gewaltverbrecher überkommen bei einer Rückkehr zum Tatort Gewissensbisse. Nicht so beim norwegischen Attentäter. Eine norwegische Zeitung zeigt Aufnahmen einer beklemmenden Begehung der Insel Utoya. Dabei ahmt Breivik das Schießen auf seine Opfer nach.

Von Lennart Simonsson und Stefan Voß

OSLO. Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hat drei Wochen nach dem dutzendfachen Mord auf der Ferieninsel Utoya bei einer Tatortbegehung keine Reue gezeigt. Der Täter habe bei der Rekonstruierung von Details aber gut mit den Ermittlern zusammengearbeitet, sagte Polizeisprecher Pål Hjort Kraby am 14. August in Oslo.

Der 32-jährige Breivik war am 13. August für acht Stunden nach Utoya gebracht worden, wo der rechtsradikale Islamhasser im Juli 69 Menschen erschossen hatte.

Die norwegische Zeitung "VG" zeigte am Sonntag exklusive Fotos und Videoaufnahmen der Inselbegehung, die aus der Luft sowie von der anderen Uferseite aufgenommen worden waren. Darauf ist Breivik zunächst in einem langärmligen roten Pullover zu sehen, wie er ihn bereits in Polizeigewahrsam getragen hatte.

Später führt er seine Begleiter in Jeans und rotem T-Shirt über die Insel. Die Handschellen und Fußfesseln, die er nach Polizeiangaben auf der Überfahrt zur Insel trug, wurden ihm abgenommen.

Kriminalistische Rekonstruktion des Massakers

Ziel der Inselbegehung war die kriminalistische Rekonstruktion des Verbrechens. Breiviks Anwalt Geir Lippestad sagte der Zeitung "VG", sein Mandant habe sich an viele Ereignisse erinnern können. Polizisten filmten die Rekonstruktion und nahmen Breiviks Aussagen auf Tonband auf. Die Videos sollen wahrscheinlich im Prozess verwendet werden.

Auf den ersten Blick wirken die Aufnahmen so, als inspiziere ein Filmteam mit seinem Hauptdarsteller einen Drehort - wäre da nicht der Großaufdruck "Politi" (Polizei) auf den schwarzen Westen der ihn umgebenden Sonnenbrillen-Männer. Auch Breivik trägt eine Weste und mehrere Gurte am Leib, die der Ausrüstung eines Bungee-Springers gleichen.

Die Ausrüstung trage er, um eine Flucht zu verhindern, aber auch, damit er sich selbst keinen Schaden zufügt, erläuterte der Polizeisprecher später. Zusätzlich ist Breivik in einigen Szenen an einer etwa 10 Meter langen Leine, die ein Polizist im Hintergrund hält.

Auf anderen Aufnahmen kann sich der Häftling dagegen relativ frei bewegen. Am Ufer ahmt er mit angelegtem rechten Arm das Zielen mit einem Gewehr Richtung Wasser nach. Danach steckt er seine Hände wieder lässig in die Hosentaschen.

Das sei eine der Stellen gewesen, kommentieren norwegische Medien, wo Breivik auf seine Opfer geschossen hatte, die - teilweise schon getroffen - versucht hatten, schwimmend dem Mörder zu entkommen.

Während der Polizeiaktion war die Insel hermetisch abgeriegelt. Sechs Polizeiboote sperrten die Insel ab, ein Hubschrauber flog über dem Tatort. (dpa)

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