Ärzte Zeitung, 23.08.2011

Der Hummel-Express

Rüdiger Schwenk züchtet Hummeln - als einziger in Deutschland und ganz professionell. Obstbauern sind seine Abnehmer. Rund 150 Mal wurde er gestochen. Dann schwört er auf ein altes Hausmittel: Rohe Zwiebel auf die Einstichstelle legen!

Von Anne-Kathrin Einfeldt

Hummeln in der Box kommen per Express

Zuchthummeln krabbeln in einem speziell gesicherten Raum über Waben ihres Baus.

© Boris Roessler /dpa

AARBERGEN Die Hummel wirkt noch benommen. Rüdiger Schwenk hat sie vorsichtig mit einer langen Pinzette aus einer Box mit einem Hummelvolk herausgeholt und sie in einer Petrischale für einige Minuten in den Kühlschrank gelegt.

 Der Grund: Sie soll fotografiert werden. Dafür ist es besser, wenn das Insekt ruhig ist. Und das gelingt mit der Kühlung. Rüdiger Schwenk ist nach seinem Wissen der einzige in Deutschland, der professionell Hummeln züchtet. "Ich kann nur vier Monate verkaufen, habe aber acht Monate Arbeit damit", sagt der 57-Jährige in seiner Firma in Aarbergen im Untertaunus.

Bestimmt wird die Geschäftszeit durch die Blütezeit: "Der Gärtner sieht die Obstblüte, dann braucht er die Tiere innerhalb von 24 Stunden." Deshalb wird per Express geliefert. Und zwar in Plastikboxen, die wiederum in Transportkisten gepackt werden - Schwenks Eigenentwicklung. Damit die Tiere den Transport überleben, bekommen sie noch eine Portion Zuckerwasser mit auf den Weg quer durch Deutschland.

Bestäubungsarbeit der Hummel beginnt schon bei neun Grad

Zwar gibt es über 30 Hummelarten in Deutschland, für die Zucht geeignet sei aber nur die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), berichtet Schwenk. Der Vorteil der Hummeln gegenüber den Bienen: Während letztere erst ab einer Temperatur von 15 Grad ihrer Bestäubungsarbeit nachgehen, fliegt die Hummel mit ihren charakteristischen gelben Querstreifen und der weißen Hinterleibsspitze schon bei neun Grad aus und sammelt Nektar und Pollen.

Hummeln züchtet der studierte Ingenieur für Elektrotechnik seit 1994. Ihm hätten die Tiere gut gefallen. Deshalb habe er sich seinerzeit im Bieneninstitut im westfälischen Münster mit den ersten Exemplaren eingedeckt. Dann hat er eine Zuchtbox entwickelt, die es ihm ermöglicht zu bestimmen, wann die Königin mit der Anzucht beginnt. Für jedes Volk habe er eine Karteikarte angelegt, auf der verzeichnet ist, was die Insekten fressen und wie sie sich verhalten.

Die Völker hält Schwenk in einer Containeranlage in seiner Firma STB Control bei Rotlicht, einer bestimmten Temperatur und einer höheren Luftfeuchtigkeit als normal. Zu fressen bekommen die rund 350 bis 400 Tiere rund um die Königin zehn Gramm Pollen pro Woche.

"Junköniginnen muss man einsammeln, sonst werden sie zu Arbeiterinnen."

Mit zweieinhalb Liter Zuckerwasser kommt so ein Volk aus "solange die leben", sagt der Hummelzüchter. Und das seien nur wenige Monate. Die Königin ist mit ihren rund drei Zentimetern Länge drei Mal so groß wie ihre Arbeiterinnen und überlebt ein Jahr. Allerdings gönnt sie sich davon auch bis zu acht Monate Winterschlaf. Aufpassen muss Schwenk, wenn sich eine Jungkönigin im Volk findet. "Die muss man einsammeln, sonst werden sie zu Arbeiterinnen", sagt er.

Hummeln seien an sich harmlose Tiere, berichtet Schwenk. Trotzdem ist die Arbeit mit ihnen nicht ganz ungefährlich. Starkes Parfüm oder Schweißgeruch seien ihnen zuwider: "Dann stechen sie." Seine Zucht für den biologischen Pflanzenschutz hat ihm selber auch schon einiges eingebrockt: "150 Stiche hatte ich schon."

Auch dagegen empfiehlt Schwenk keine chemische Keule: "Am besten eine frische Zwiebel aufschneiden und draufdrücken." (dpa)

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