Ärzte Zeitung online, 19.08.2011

Vergiftete sich Hatschepsut mit Hautlotion?

BONN (eb). Nicht Parfum sondern offenbar eine Hautlotion gegen Ekzeme wurde in einem unscheinbaren Flakon aus dem Besitz der berühmten Pharaonin Hatschepsut gefunden. Möglicherweise hat sich die Regentin, die um 1450 vor Christus gelebt hat, sogar damit vergiftet.

Vergiftete sich Hatschepsut mit Hautlotion?

Das "Corpus Delicti": Flacon von Hatschepsut: Hieraus haben Pharmazeuten der Uni Bonn eine stark krebserregenden Substanz extrahiert.

© Ägyptisches Museum / Uni Bonn

Der Flakon gehört zur Sammlung des Ägyptischen Museums der Universität Bonn. Den eingetrockneten Inhalt haben Forscher um Michael Höveler-Müller von dem Museum und Dr. Helmut Wiedenfeld vom Pharmazeutischen Institut der Uni jetzt untersucht.

Danach waren große Mengen Palmöl und Muskatnussöl in dem Gemisch enthalten. "Wir fanden viele ungesättigte Fettsäuren, die bei Hautkrankheiten Linderung verschaffen", berichtet der Pharmakologe in einer Mitteilung der Universität.

Einen wichtigen Puzzlestein ergänzt der Ägyptologe: "Tatsächlich ist bekannt, dass es in der Familie von Hatschepsut Fälle von Hauterkrankungen gab." Entzündliche Hautkrankheiten wie Psoriasis sind zu einem erheblichen Teil erblich.

Teer in der Hautlotion

Außerdem wurden reichlich Kohlenwasserstoffe gefunden, die aus Teer und Bitumen stammten. Bis heute werden teerhaltige Cremes zur Behandlung chronischer Hautkrankheiten eingesetzt.

Wegen der potentiell krebserregenden Wirkung einiger Inhaltsstoffe wurde Teer inzwischen ganz aus Kosmetik verbannt, teerhaltige Medikamente gibt es nur noch auf ärztliche Anordnung.

Vor allem Benzo(a)pyren, ein aus mehreren Kohlenstoffringen bestehender aromatischer Kohlenwasserstoff, fanden die Pharmazeuten in Hatschepsuts Fläschchen.

"Dies ist eine der gefährlichsten krebserregenden Substanzen überhaupt", sagt Wiedenfeld. So werde das Risiko, vom Zigarettenrauch Lungenkrebs zu bekommen, ganz wesentlich auf diesen Stoff zurückgeführt.

"Ägypter waren lausige Internisten"

Hat sich Hatschepsut möglicherweise unwissentlich damit vergiftet? "Wenn man sich vorstellt, dass die Pharaonin chronisch hautkrank war und ihr die Salbe kurzfristig Linderung verschaffte, dann mag sie sich im Laufe einiger Jahre einem großen Risiko ausgesetzt haben", meint Wiedenfeld.

Auch der Ägyptologe Höveler-Müller hält das für möglich: "Wir wissen schon lange, dass Hatschepsut Krebs hatte und vielleicht sogar daran gestorben ist."

Wie Hatschepsut an ihre Lotion kam, darüber können die Bonner Forscher ebenfalls nur spekulieren. "Die Ägypter waren praktische Ärzte und gute Chirurgen, aber lausige Internisten", sagt Wiedenfeld.

"Gut möglich, dass sie das Wissen um bestimmte Medikamente ihren Kontakten nach Persien und Indien verdanken, deren Heilkunst schon in der Antike weit fortgeschritten war."

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