Ärzte Zeitung, 30.08.2011

WM-Traum auf Karbon-Prothesen für Pistorius geplatzt

Als erster beinamputierter Leichtathlet qualifizierte sich Oscar Pistorius für die WM in Daegu. Seine Karbon-Prothesen trugen ihn bis ins Halbfinale der 400-Meter-Läufe. Dort musste er sich der Konkurrenz geschlagen geben und wurde Achter.

WM-Traum auf Karbon-Prothesen für Pistorius geplatzt

Ein Sprinter auf Karbon-Prothesen: Oscar Pistorius

© dpa

DAEGU/SÜDKOREA (dpa/bee). Als er auf seinen Karbon-Prothesen aus den Katakomben des Daegu-Stadions kam, erwarteten den an beiden Beinen amputierten Oscar Pistorius zwei Dutzend Fotografen.

Von der Tribüne schallten "Oscar, Oscar"-Rufe. Der 400-Meter-Läufer aus Südafrika ist durch den Kampf um das Recht, bei der Weltmeisterschaft der Leichtathleten an den Start gehen zu dürfen, ein Star geworden.

"Ich bin kein Pionier, aber ich fühle mich geehrt", sagte der 24 Jahre alte "Blade Runner". Mit einer Zeit von 45,39 Sekunden hatte er bereits das WM-Halbfinale erreicht, in seinem Halbfinallauf wurde er mit 46,19 Sekunden Achter und wird nicht am 400-Meter-Finale teilnehmen.

Oscar Pistorius ist der erste Läufer, der auf High-Tech-Prothesen bei der WM der Nichtbehinderten antritt. Die Startberechtigung musste er sich vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) erstreiten, weil es Zweifel gibt, ob die Prothesen ihm nicht einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

"Ich will jetzt die Diskussion über Fairness nicht führen. Von den anderen Läufern bekomme ich viel Respekt", sagte Pistorius nur.

Allen voran von Olympiasieger und Weltmeister LaShawn Merrit, der sich mit der Weltjahresbestzeit von 44,35 Sekunden nach einer Doping-Sperre eindrucksvoll auf der WM-Bühne zurückmeldete.

"Ich wünsche ihm das Beste. Er hat die Norm erfüllt, um hier zu laufen", sagte der Amerikaner. "Oscar ist motiviert und hat ein großes Herz. Er ist ein toller Mensch mit einer großen Persönlichkeit."

Für die Zeit nach der WM hat er ein noch größeres Ziel vor Augen: die Olympischen Spiele 2012 in London, wo seine Geschichte zur weiteren Erfolgsstory werden soll.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will dem Leichtathletik-Weltverband IAAF die Entscheidung überlassen, ob Pistorius die Starterlaubnis bekommt.

"Ich bin jung genug um weitere Jahre zu laufen und gute Wettbewerbe in der Zukunft zu machen", meinte Pistorius, der auch weiter um seine Anerkennung kämpfen muss: "Die Kontroverse wird bleiben."

Offen ist, ob er auch in der südafrikanischen 4x400-Meter-Staffel zum Einsatz kommt. "Das entscheidet der Trainer", sagte Pistorius.

Festgelegt hat die IAAF jedoch schon, dass er bei einem denkbaren Einsatz der Startläufer sein muss. "Damit er andere Läufer nicht gefährdet", erklärte IAAF-Präsident Lamine Diack.

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[30.08.2011, 14:36:35]
Dr. Horst Grünwoldt 
Blade Runner
Bei allem Respekt vor der läuferischen Leistung des Südafrikaners O. Pistorius als beidseits Unterschenkel-Amputierter und Mitgefühl für sein Prothesen-Schicksal seit früher Kindheit, verwundert die Entscheidung, den "blade runner" im regulären Wettbewerb starten zu lassen.
Der lange Sprint von 400m ist bekanntlich die härteste Laufdisziplin und wird deshalb unter Athleten zu recht auch "men´s killer distance" genannt.
Es ist natürlich makaber, bei einem körperlich Gehandikapten von läuferischen (energetischen) Vorteilen aufgrund seines high-tech Unterschenkel-Federwerkes zu sprechen.
Daß dem letztlich nicht so ist, zeigt der letzte Platz von Pistorius in einem der Vorlaufrennen der WM in Daegu.
Die Herren des IOK, der IAAF und erst recht die "Anti-Doping-Kämpfer" führen immer noch das unsinnige Wort von der Chancengleichheit im Munde.
Dabei gibt es doch im sportlichen Wettkampf bei allen individuellen Unterschieden -wie im übrigen Leben auch- nur gleiche Bedingungen, denen man sich im Leistungsvergleich unterwirft.
Und diese erfüllt im vorliegenden Fall der "blade runner" nun einmal nicht, will heißen: körperlich unversehrt und nur mit Rennschuhen ausgestattet die Stadionrunde schnellstmöglich zu absolvieren.

Als früherer Leichtathlet erscheint mir überlegenswert, ob nicht durch die Starterlaubnis eines Versehrten-Sportlers mit high-tech Krücken im regulären Wettkampf, die Ur-Olympiadisziplin -der Wettlauf ohne jede Hilfsmittel- sogar zu einer circensischen Veranstaltung verkommt?
Der durch den Athleten selbst inszenierte Rummel scheint dies zu bestätigen.
Dr. Horst Grünwoldt aus Rostock zum Beitrag »

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