Ärzte Zeitung, 18.09.2011

EU warnt vor dramatischen Folgen des Klimawandels

Ein neuer Klimabericht der EU konzentriert sich auf die Rolle der Meere - die Ergebnisse sind beängstigend.

BRÜSSEL (dpa). Ein neuer rund 200 Seiten starker Bericht zum Klimawandel untersucht insbesondere die Folgen für die Meere.

Ein Team von Wissenschaftlern hat für das EU-Meeresforschungsprojekt "Clamer" die Ergebnisse aus über 100 EU-finanzierten Forschungsprojekten der vergangenen Jahre zusammengetragen - und auch neue, unveröffentlichte eingebracht, sagt Carlo Heip, Direktor des Niederländischen Instituts für Meeresforschung.

Die Ozeane verändern sich in einem beispiellosen Tempo, heißt es im Bericht. Während Eisdecken schmelzen, steigen Wasserspiegel und -temperatur immer schneller an. "Wir können den Klimawandel nicht mehr stoppen. Wir haben diesen Pfad längst eingeschlagen", sagt Carlo Heip, Direktor des Niederländischen Instituts für Meeresforschung.

Nur auf lange Sicht seien Folgen des Klimawandels umkehrbar, "vielleicht in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten". Allein in den vergangenen 25 Jahren habe die durchschnittliche Erwärmung der Meere zehnmal so schnell zugelegt, wie im letzten Jahrhundert.

Wohlfühl-Temperaturen für Cholera & Co.

In dem wärmeren Wasser fühlen sich einige der "gefährlichsten bakteriellen Krankheitserreger" wohl. Forscher, darunter auch deutsche, fanden heraus, dass durch die höheren Temperaturen die Verbreitung bestimmter Bakterien aus der Gattung der Vibrionen begünstigt werde, die auch Cholera verursachen.

Eine "potenzielle Bedrohung" sei das, auch an deutschen Küsten, sagt Heip. "Im Augenblick haben wir aber keine Cholera in der Nordsee." Dennoch könnten "Gesundheitskosten in Millionenhöhe" daraus resultieren, dass Menschen verseuchte Meeresfrüchte essen, heißt es in dem Bericht.

Schmelzende Eisdecken und Gletscher tragen zur Verunsicherung bei. Auch hier zeigt der Bericht eine steigende Tendenz: Während der Anstieg des Meeresspiegels im vergangenen Jahrhundert durchschnittlich rund 1,8 Millimeter pro Jahr betrug, legte er seit 1993 drastisch zu und stieg jährlich um rund 3,3 Millimeter. "Ein Anstieg von 80 bis 200 Zentimeter könnte ganze Länder auslöschen", schreiben die Autoren des Berichts.

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