Ärzte Zeitung online, 21.09.2011

Kinderschutzbund befürchtet mehr Gewalt

SCHWERIN (dpa). Etwa eine Million Kinder in Deutschland haben dem Deutschen Kinderschutzbund zufolge schon Gewalt und Missbrauch in der Familie erlebt. Diese Zahl könne noch größer werden, sagte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers am Dienstag in Schwerin.

Dort feierte der Verband sein zentrales Weltkindertags-Fest und startete die Kampagne "Kleine Seele. Großer Schmerz" gegen Gewalt und Vernachlässigung von Kindern.

"Es gibt statistisch einen Zusammenhang zwischen Armut und Gewalt", sagte Hilgers. Die Zahl der von Sozialleistungen lebenden Kinder unter 18 Jahren habe sich seit 2000 in Deutschland von etwa 1,5 auf 2,5 Millionen erhöht.

Dabei sei die Zahl der Kinder insgesamt von 15,6 auf 13,1 Millionen gesunken. Bald werde es weniger als zehn Millionen Kinder geben, rund die Hälfte würde dann arm sein.

Kinderrechte ins Grundgesetz

In Mecklenburg-Vorpommern nahmen laut Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) die Jugendämter im Vorjahr 1002 Kinder zu deren Schutz in Obhut - zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Sie führte das teils darauf zurück, dass die Menschen aufmerksamer geworden seien.

Schwesig und Hilgers sprachen sich für die Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz aus. "Eine Ergänzung des Grundgesetzes würde dazu beitragen, dass Kinder ausdrücklich als Träger von Grundrechten benannt werden und nicht nur Teil der Elternrechte sind", erläuterte Schwesig.

Hilgers zufolge führe die Änderung dazu, dass ein Kind auch gefragt werde, ob etwa es in der Pflegefamilie oder der eigenen Familie leben will.

Derzeit seien die Elternrechte im Grundgesetz so stark, dass auch Pflegefamilien Probleme damit hätten. So hätten die leiblichen Eltern ein großes Mitspracherecht, die Kinder würden hin- und hergerissen.

60 Prozent der Kinder, die zu den eigenen Eltern zurückkehrten, müssten wieder in Obhut genommen werden. Schlimmstenfalls komme auf sie ein "Ping-Pong" zwischen Heim und Psychologie zu.

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