Ärzte Zeitung online, 23.09.2011

Schneller als das Licht: Physiker am Verzweifeln

LONDON/GENF (dpa). Scheinbar überlichtschnelle Teilchen verblüffen derzeit Physiker am europäischen Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf.

Neutrinos, ultraleichte Elementarteilchen, scheinen in einem Experiment schneller zu fliegen als das Licht, wie der britische Sender BBC berichtet.

Die Lichtgeschwindigkeit gilt nach Albert Einstein als die oberste Geschwindigkeitsgrenze im Universum und ist bislang in keinem Experiment der Welt durchbrochen worden. Ein Überschreiten dieser Grenze hätte gravierende Konsequenzen für etliche Theorien.

Die Forscher des Opera-Experiments sind laut BBC allerdings noch weit davon entfernt, an die tatsächliche Entdeckung überlichtschneller Teilchen zu glauben. Stattdessen setzen sie darauf, dass eine öffentliche Diskussion in Forscherkreisen eine Erklärung findet.

Die Nachweisgeräte des Opera-Experiments spähen in einem unterirdischen Labor in den italienischen Abruzzen nach Neutrinos, die am 730 Kilometer entfernten Cern erzeugt und auf die Reise geschickt werden.

"Wir wollten einen Fehler finden"

Die Physiker untersuchen damit ein Phänomen, bei dem sich Neutrinos während des etwa drei tausendstel Sekunden (Millisekunden) langen Flugs von einer Sorte in eine andere umwandeln. Insgesamt gibt es drei Sorten Neutrinos.

Im Zuge der Messungen stellten die Forscher fest, dass die Teilchen einige milliardstel Sekunden (Nanosekunden) eher einzutreffen scheinen als erwartet, wie die BBC berichtet.

Die Opera-Physiker glaubten an einen Fehler. "Wir wollten einen Fehler finden, einen trivialen Fehler, kompliziertere Fehler oder richtig fiese Effekte, aber das haben wir nicht", sagte Opera-Sprecher Professor Antonio Ereditato der BBC.

Daher habe man sich entschieden, die Messungen jetzt der Fachöffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, damit diese sie genau unter die Lupe nimmt.

Statistisch seien die Messergebnisse belastbar. Eine Möglichkeit sei jedoch, dass ein unerkannter systematischer Fehler die Messungen verfälsche.

Topics
Schlagworte
Panorama (30667)
Organisationen
BBC (422)
Personen
Albert Einstein (46)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »