Ärzte Zeitung online, 07.10.2011

Päuschen im OP machen Chirurgen leistungsfähiger

HANNOVER (dpa). Wenn Chirurgen bei Operationen kurze Pausen einlegen, sind sie leistungsfähiger. Das hat eine Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ergeben. Die Operationszeit insgesamt verlängert sich nicht, das Team bleibt während der Kurzpausen im OP-Saal.

Gerade die Möglichkeit der modernen Video-Chirurgie habe die Anforderungen an die Operateure stark verändert, erklärte der Direktor der MHH-Klinik für Kinderchirurgie, Professor Benno Ure. Die Chirurgen müssten teils stundenlang hochkonzentriert die zweidimensionalen Bilder auf dem Monitor in dreidimensionale Handlungen umsetzen.

Pausenschema von Profibergsteigern als Vorbild für Chirurgen

Das Pausenschema von Profi-Bergsteigern inspirierte die Ärzte zu der Studie. Beim Klettern sind regelmäßige Pausen in schwierigen Phasen ein Mittel, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Die Studie bezieht sich auf 60 komplexe minimal-invasive Operationen bei Kindern.

Alle 25 Minuten legte das OP-Team eine fünfminütige Auszeit ein und ließ das Skalpell ruhen. Die Kontrollgruppe bildeten Operationen ohne Pausen.

Untersucht wurden unter anderem der Ausstoß der Stresshormone Cortison, Adrenalin und Testosteron und die Herzfrequenz bei den Operateuren. Außerdem absolvierten sie Konzentrations- und Leistungstests.

Kurze Pausen mindern Ausschüttung von Stresshormonen

Das Ergebnis: Chirurgen, die kurze Pausen einlegen, schütteten deutlich weniger Stresshormone aus. Auf gleichbleibende Leistungsfähigkeit wies die ausgeglichene Herzfrequenz hin, die bei den pausierenden Chirurgen gemessen wurde. Ihre Fehleranfälligkeit war zudem dreimal geringer als bei Kollegen, die durchoperieren.

Das Kurzpausenschema habe sich in der Klinik inzwischen weitgehend durchgesetzt, erklärte Ure. Ob die Pausen auch Auswirkungen auf die Patienten haben, soll eine weitere Studie klären.

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