Ärzte Zeitung online, 12.10.2011

"Schwarzer Tod": Erbgut des Pest-Erregers komplett entziffert

TÜBINGEN (dpa). Forscher haben das Erbgut des Pest-Erregers entziffert, der als Schwarzer Tod um 1350 in Europa gewütet hat. Das Genom des damaligen Pest-Erregers sei dem der heute vorkommenden Bakterien erstaunlich ähnlich.

"Er war sozusagen die Mutter aller heutigen Pesterreger", sagte Dr. Johannes Krause von der Universität Tübingen am 12. Oktober. Durch den sogenannten "Schwarzen Tod" starben in nur fünf Jahren in Europa je nach Angaben 25 bis 50 Prozent der Menschen.

Das nächste derzeit existierende Pestbakterium unterscheide sich nur an zwölf Stellen von jenem aus dem 14. Jahrhundert, sagte Krause. Es gebe jedoch eine Reihe von Gründen, warum es später keine so großen Pestepidemien mehr gegeben hat: "Bei der ersten Pestepidemie wussten weder der Mensch noch sein Immunsystem damit umzugehen."

Der größte Teil der für Pest anfälligen Menschen sei gestorben. Die anderen hätten möglicherweise ein Immunsystem, das besser mit dem Erreger zurechtkomme.

Zudem habe sich der Mensch später auch kulturell angepasst - etwa mit Quarantäne und Pesthäusern.

Die Forscher hatten das nun entzifferte Bakterium Yersinia pestis (Nature online) zweifelsfrei als Erreger der Pest-Epidemie im 14. Jahrhundert ausgemacht. Dafür habe die Sequenzierung von unter einem Prozent des Genoms genügt, erläuterte Krause. Diese Ergebnisse hatten sie bereits Ende August in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlicht.

Yersinia pestis hatten die Forscher aus Skeletten auf einem Londoner Friedhof isoliert. An der Tübinger Studie waren auch Forscher aus den USA, Kanada und Großbritannien beteiligt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »