Ärzte Zeitung online, 15.10.2011

Hunderttausende protestieren weltweit gegen "entfesselte Finanzmärkte"

Vereint im Protest gegen die Macht der Banken: In Dutzenden Ländern beteiligen sich Demonstranten am Aktionstag gegen die "entfesselten Finanzmärkte". In Deutschlands Finanzmetropole Frankfurt ziehen Tausende vor die EZB. International blieb es nicht überall friedlich.

Hunderttausende protestieren weltweit gegen "entfesselte Finanzmärkte"

Prosteste gegen die Finanzmärkte in Hamburg.

© dpa

FRANKFURT/MAIN/BERLIN/ROM (dpa). Beim Aktionstag gegen die Auswüchse des Finanzmarktes sind am 15. Oktober hunderttausende Menschen weltweit auf die Straßen gegangen.

In der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main und in der Hauptstadt Berlin protestierten jeweils etwa 5000 Menschen gegen die Rettung maroder Banken und soziale Ungleichheiten. Vorbild für die Proteste waren die Dauerkundgebungen in New York und Madrid.

Attac: Über 40.000 Kapitalismuskritiker in 50 deutschen Städten

Insgesamt folgten in Deutschland nach Angaben der Mitorganisatoren von Attac mehr als 40.000 Kapitalismuskritiker in etwa 50 Städten dem Aufruf zum Protest. Max Bank vom Attac-Koordinierungskreis wertete den Protesttag als großen Erfolg. "Der Funke ist übergesprungen, die Bewegung ist da", sagte er. Die Globalisierungsgegner fordern unter anderem eine europäische Vermögensabgabe und Finanztransaktionssteuer.

In Berlin zogen die Demonstranten vom Alexanderplatz in Richtung Kanzleramt. Die Polizei unterband das Aufstellen von Zelten vor dem Reichstag.

In Frankfurt am Main marschierten die Menschen zu einer Kundgebung an der Europäischen Zentralbank (EZB).

Proteste in Deutschland blieben friedlich

Die Proteste in Deutschland blieben nach Polizeiangaben friedlich. In Berlin kam es aber auf dem Weg durch das Regierungsviertel zum Kanzleramt kurz zu Tumulten, als rund 200 Protestler über die Wiese auf den Bundestag zustürmten. Dort bauten die Aktivisten die Absperrungen ab und riefen "Occupy Bundestag". Die Polizei sicherte das Gelände.

Die Demonstranten in der Bankenmetropole Frankfurt machten ihrem Unmut mit Plakat-Parolen wie "Ihr verzockt unsere Zukunft" und "Schranken für Banken" Luft. Einige riefen lautstark: "Brecht die Macht der Banken und Konzerne."

In München machten etwa 1000 Demonstranten ihrem Unmut Luft, in Köln zogen nach Polizeiangaben rund 1500 Demonstranten durch die Innenstadt. Auch in Stuttgart gingen etwa 1500 Menschen auf die Straße. Mit "Rettungsschirmen", Trillerpfeifen und Plakaten prangerten sie die Macht der Wirtschaft an.

Ausschreitungen in Rom

Auch in anderen europäischen Städten wie London war das Echo auf den im Internet verbreiteten Aufruf groß. In Rom waren es mehr als 100.000 Protestierende. Eine Gruppe Vermummter zündete auf der zentralen Via Cavour Autos an, deren Benzintanks explodierten.

Mehrere Räume des Verteidigungsministeriums wurden durch Sprengsätze und Rauchbomben beschädigt, wie italienische Medien berichteten.

In Brüssel protestierten etwa 6000 Kapitalismuskritiker. Darunter waren auch Aktivisten der spanischen Bewegung der "Indignados" (Deutsch: Empörten), die zu Fuß von Madrid nach Brüssel gekommen waren.

In Frankreich verliefen die Proteste im überschaubaren Rahmen. Etwa 200 Menschen folgten in Paris dem Aufruf zum Protest der "Empörten", teilte die Polizei mit.

Auch in Slowenien, Bulgarien und weiteren EU-Staaten versammelten sich Globalisierungskritiker.

Vorbild der Proteste ist die US-amerikanische Bewegung "Occupy Wall Street"

Vorbild der Demonstrationen sind die amerikanische Protestbewegung "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") und die jungen Demonstranten in Spanien, die sich gegen das Finanzsystem und große Teile der Bankenwelt wenden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »