Ärzte Zeitung online, 16.10.2011

Türkische Gerichtsmedizinerin für Kampf gegen Folter ausgezeichnet

ERLANGEN (Smi). Die türkische Gerichtsmedizinerin Professor Sebnem Korur Fincanci ist auf dem IV. Internationalen IPPNW-Kongress "Medizin und Gewissen" in Erlangen mit dem erstmals vergebenen Preis für medizinische Friedensarbeit ausgezeichnet worden.

Türkische Gerichtsmedizinerin für Kampf gegen Folter ausgezeichnet

Preisverleihung (v.l.n.r.): Stephan Kolb, Organisator des IPPNW-Kongresses "Medizin und Gewissen" in Erlangen; Preisträgerin Professor Sebnem Korur Fincanci; Dr. Klaus Melf, Koordinator des Medical Peace Work-Projekts; Marion Birch, Geschäftsführerin von Medact, der britischen Schwesterorganisation der IPPNW.

© Pete Smith

Die Istanbuler Ärztin und Menschenrechtlerin setzt sich seit Jahrzehnten für Folteropfer ein und hat ein standardisiertes Verfahren zur Aufdeckung von Folter entwickelt.

Stifter des mit 3000 Euro dotierten Preises sind die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) und das Internationale Netzwerk "Medical Peace Work".

"Ein solcher Preis spornt uns an und stärkt unsere Stellung im Land", sagte Sebnem Kurur Fincanci am Samstag im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". "Wir müssen unser Wissen mit vielen Mitarbeitern im Gesundheitswesen teilen, damit auch Folteropfer in anderen Ländern Gerechtigkeit erfahren."

Fincanci ist Vorsitzende der türkischen Menschenrechtsvereinigung TIHV

Fincanci ist Vorsitzende der 1990 gegründeten türkischen Menschenrechtsvereinigung TIHV, die Überlebenden von Folter Therapie und Rehabilitation anbietet und Menschenrechtsverletzungen in der Türkei dokumentiert. Sie hatte wesentlichen Anteil an der Erarbeitung des so genannten Istanbul Protokolls, eines auch von den Vereinten Nationen anerkannten Standardverfahrens zur Aufdeckung von Folter.

Aufgrund ihres Engagements wurde ihr mehrfach die Lehrberechtigung am Institut für Rechtsmedizin der Universität Istanbul entzogen, doch vor Gericht kämpfte sie immer wieder erfolgreich für ihre Rückkehr.

"Ihr Engagement, ihre Professionalität und ihre Beharrlichkeit sind ein Vorbild für all diejenigen, die daran arbeiten, Gewalt zu verhindern und Frieden zu fördern", sagte der Völkerrechtler Professor Matthew Happold von der Universität Luxemburg, der die Laudatio auf Fincanci hielt.

Der Preis für medizinische Friedensarbeit soll von nun an alle zwei Jahre vergeben werden.

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