Ärzte Zeitung online, 03.11.2011

Auto der Zukunft überwacht Herzfunktion

Der Hintermann drängelt, der Vordermann schläft? Das bringt so manchen Autofahrer zur Weißglut. Künftig könnte das Auto den Gesundheitszustand des Lenkers bemerken - und darauf reagieren, berichten Forscher aus München. Regt sich der Fahrer etwa zu sehr auf, gibt es einfach eine Notbremsung.

Auto der Zukunft überwacht Herzfunktion

Gesundheitscheck während der Fahrt: Dank eingebauter Sensoren im Lenkrad wird die Vitalfunktion des Fahrers überwacht.

©Jakob Neuhäuser, TU München

MÜNCHEN (eb). Eine im Lenkrad integrierte Sensoreinheit überwacht den Gesundheitszustand des Autofahrers. Mit dem neuen Gerät könnten künftig Schwächeanfälle oder Infarkte am Steuer früh erkannt werden, berichten Forscher von BMW und der Technischen Universität München (TUM).

Das System ermittelt Vitalparameter wie Herzfrequenz, Hautwiderstand und Sauerstoffsättigung im Blut über einfache Sensoren im Lenkrad, schreiben die Wissenschaftler um Professor Tim C. Lüth vom Lehrstuhl für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik (MiMed) der TUM, die das System entwickelt haben (atz 2011; 11: 52).

Durch die Sensoren im Lenkrad wird eine aufwändige Verkabelung des Fahrers vermieden, wie sei bei ähnlichen Entwicklungen zu Forschungszwecken nötig ist.

Über Funk werden die Messwerte an einen Mikrocontroller weiter gegeben. Dieser kann dann die Messergebnisse auf dem Display des Fahrzeuginformationssystems anzeigen.

Tests verliefen vielversprechend

Über den Wert des Hautwiderstands lasse sich zum Beispiel erkennen, ob ein Fahrer unter Stress steht oder der Blutdruck einen kritischen Wert übersteigt. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass die Hände die lenkradintegrierten Sensoren berühren.

Erste Tests mit Probanden in Kooperation mit dem Seniorenbeirat München verliefen vielversprechend. Während vier Fünftel der Fahrzeit lieferten die Sensoren Messdaten. Mehr als die Hälfte der Testpersonen fühlten sich durch das System animiert, öfter mal einen Check durchzuführen.

Bei Stresssituationen soll Auto automatisch bremsen

"Unsere Vision ist, dass das Fahrzeug merkt, wenn der Fahrer sich nicht mehr wohl fühlt und dann geeignete Maßnahmen einleitet", sagt Lüth.

"Wird eine Stresssituation mittels Hautleitwert erkannt, können beispielsweise Anrufe automatisch blockiert oder die Lautstärke des Radios selbstständig reduziert werden.

Bei schwerwiegenderen Problemen könnte das System auch die Warnblinkanlage einschalten oder die Geschwindigkeit reduzieren, bis hin zur automatischen Notbremsung".

Zwei Sensoren messen Vitalfunktionen

Zentraler Bestandteil der fahrzeugintegrierten Vitalparametermessung sind zwei marktübliche Sensoren.

Einer sendet Infrarotlicht in die Finger und ermitteln aufgrund des reflektierten Lichts die Herzfrequenz sowie die Sauerstoffsättigung des Blutes, ein Zweiter misst bei Berührung den elektrischen Widerstand der Haut.

Auch möglich: Funkverbindung zu einem Blutdruckmessgerät

Die Wissenschaftler am MiMed entwickelten darüber hinaus eine Mikrocontrollerapplikation, die die Daten verarbeitet und sie zum Fahrzeug überträgt.

Um die Datenbasis zu erweitern und möglichst zuverlässige Aussagen über den Gesundheitszustand des Fahrers treffen zu können, lässt sich per Funk auch eine Verbindung zu weiteren externen Instrumenten, wie beispielsweise einem Blutdruckmessgerät, herstellen.

Von Bayerischer Forschungsstiftung gefördert

Die Ergebnisse entstanden im Rahmen des Forschungsprojekts Fit4Age in der Gruppe der "Assistenzsysteme für die älter werdende Gesellschaft" und wurden von der Bayerischen Forschungsstiftung (BFS) gefördert.

Den technischen Einbau der Komponenten in das Fahrzeug übernahmen die Kooperationspartner in der BMW Group.

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