Ärzte Zeitung, 07.11.2011

OFC-Fans bluten fürs Stadion

Mit einer ungewöhnlichen Aktion sollen die Flutlichtmasten im Stadion der Offenbacher Kickers gerettet werden: Profi-Spieler und Fans des OFC sind aufgerufen, Blutplasma zu spenden.

Von Johanna Dielmann v. Berg

Fans mit Herz: Plasmaspenden fürs Stadion

Spieler der Offenbacher Kickers unterstützen die Aktion: Erstspender wie Kapitän Elton da Costa werden vorher gründlich untersucht.

© jvb

OFFENBACH. Ein Tag im November, kurz vor fünf: Langsam wird es voller im CSL Plasmacenter Offenbach. Knapp die Hälfte der 24 Liegen sind inzwischen besetzt.

Heute ist ein besonderer Tag. Zwischen den leise arbeitenden Zentrifugen blitzt so manches Fanaccessoire der Offenbacher Kickers in rot-weiß auf. Hier eine Jacke, da ein Schal.

Einige Fußballfans sind gekommen, um die sogenannten Offenbacher Eiffeltürme zu retten.

Die beiden Flutlichtmasten entfachten eine hitzige Diskussion, denn sie sollten beim Umbau des Stadions nicht bestehen bleiben. Für einige Fans nicht denkbar.

"Dein Blut für die Masten"

Immerhin galten die Kickers lange als nahezu unbesiegbar bei Flutlicht, schreibt die Interessengemeinschaft Stadionbau e.V. (IGS) im Kickers-Blog.

Unter dem Motto "Dein Blut für die Masten" appelliert die IGS seit Mitte Oktober an Fans, ihr Blutplasma zu spenden und ihre Aufwandsentschädigung von bis zu 20 Euro für den Erhalt der Masten zu geben.

Jede dieser Spenden stockt CSL auf 25 Euro auf, obwohl geplant ist, dass die Masten gar keine Funktion mehr erfüllen sollen, weil die Beleuchtung moderner geworden ist. Ob die Aktion ein Erfolg wird, lässt sich erst Ende November sagen. So lange haben Fans noch Zeit, sich als Spender testen und Blutplasma abnehmen zu lassen.

Fans mit Herz: Plasmaspenden fürs Stadion

Auf Gesänge sollen Taten folgen: Mit Plasmaspenden können Fans der Offenbacher Kickers helfen, die Flutlichtmasten im Stadion wieder aufzubauen.

© Schüler / imago

Die Idee kam von der IGS. Sie suchten etwas "Auffälliges", das nicht nur Fans der Offenbacher Kickers sondern auch anderen Menschen nutzt. Schnell stellte sich der Einfall aber als schwierig heraus.

"Viele wissen nicht, was eine Plasmaspende ist oder haben Angst vor Spritzen", erklärt Christian Reif von der IGS, "auf unserer Facebookseite sehen wir, dass viele die Aktion gut finden, sich aber nicht trauen."

40 Neuspender, darunter auch Spieler der Kickers

Der Startschuss scheint trotzdem geglückt. Bis zum Abend melden sich 40 Neuspender an, darunter auch Spieler der Kickers.

Die anfänglichen Bedenken von Elton da Costa, André Hahn und Jannik Sommer konnte Nicole Winter vom Plasmacenter mit einer ausführlichen Beratung entkräften. "Die Masten sind für mich nur Nebensache, wichtiger ist, dass ich anderen helfen kann", sagt Hahn.

In Deutschland benötigen 16.000 chronisch Kranke Präparate aus Blutplasma, gibt CSL an. Aber zu wenige finden den Weg in ein Plasmacenter. In Offenbach könnte man 500 Spender mehr in der Kartei gebrauchen.

Pro Mast 130.000 Euro

"Natürlich wäre es schön, wenn noch mehr Fans kommen", meint Hahn. Manuela Schmidt hat ihm als treue Anhängerin diesen Wunsch erfüllt. In ihrer Kickers-Jacke lässt sie die 45-minütige Prozedur entspannt verstreichen.

Obwohl sie schon über fünf Jahre regelmäßig spendet, ist sie dieses Mal für die Kickers gekommen. Pro Mast müssten 130.000 Euro zusammenkommen, das wären rund 5.200 Spenden. Die Fans sind optimistisch: "Zusamme schaffe mers!"

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