Ärzte Zeitung, 10.11.2011

Goethe-Institut: Forscher sollen deutsch sprechen

ESSEN (dpa). Sprachexperten wollen die deutsche Sprache in der Wissenschaft wieder stärker verankern. Englisch sei weltweit unbestritten die Verkehrs- und Kongresssprache, sagte der Präsident des Goethe-Instituts Dr. Klaus-Dieter Lehmann.

An heimischen Universitäten sollte aber in der Lehre entgegen früheren Ansätzen vor allem Deutsch gesprochen werden.

Auch Gastwissenschaftler sollten die deutsche Sprache sprechen, damit sie sich in diesem Land zu Hause fühlen könnten, sagte Lehmann aus Anlass des Kongresses "Deutsch in den Wissenschaften" in Essen (Infos: www.goethe.de).

Vielfalt der Ausdrucksformen gehen verloren

"Es gab eine Zeit lang die Situation, dass wissenschaftliche Organisationen den Eindruck vermittelt haben, mit Englisch kann man in Deutschland leben, studieren und forschen. Das ist aber der falsche Weg, um der deutschen Sprache eine Chance zu geben." Die Vielfalt der Ausdrucksformen gehe verloren.

Der Präsident der Goethe-Gesellschaft forderte EU-Kommission und europäische Verleger auf, Datenbanken für den Nachweis wissenschaftlicher Publikationen in anderen Sprachen als dem Englischen aufzubauen. "Dann ist das Renommee der Wissenschaftler nicht mehr an die englische Sprache gebunden", sagte Lehmann.

Deutsch hat in Geistes- und Sozialwissenschaften gute Chancen

"Worum es mir geht ist, dass wir neben dem Englischen eine Mehrsprachigkeit brauchen. In den Geistes- und Sozialwissenschaften hat das Deutsche nach wie vor eine gute Chance, in den Naturwissenschaften nicht", betonte Lehmann.

In den Laboren und auf Kongressen und der weltweiten Verständigung der Naturwissenschaftler sei Englisch die Sprache.

Bildungsoffensive für Deutsch in Russland und Indien

In Russland und in Indien hat das Goethe-Institut eine Bildungsoffensive für Deutsch als zweite Fremdsprache gestartet. In Russland sei Deutsch als erste Fremdsprache dem Englischen gewichen.

Die Gesellschaft sei nun dabei, für Deutsch als zweite Fremdsprache zu werben. "Da sind wir auf guten Wege", sagte Lehmann. In Indien würden zurzeit 1000 Sprachabteilungen an Schulen gegründet.

Das 1951 gegründete Goethe-Institut vermittelt in 150 Instituten weltweit deutsche Kultur im und ins Ausland. 2010 nahmen mehr als 200.000 Menschen an den Sprachkursen teil.

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Panorama (30169)
[12.11.2011, 23:18:47]
Dr. Horst Grünwoldt 
Deutsch d´abord
Das Goethe-Deutsch dürfte für die Geisteswissenschaften im deutschspachigen Raum sowieso die ausdrucksvollste Sprache sein, und ist nur mit dem Shakespeare-English zu vergleichen.
Darin sollten sich die öffentlichen Proklamatoren - die Staatskünstler- im forum politicum mal wieder üben!
Selbst in den Naturwissenschaften, die durch das Paper-Yankee-US-English furchtbar verarmt sind, könnte die deutsche Sprache mit ihren subtilen und nuancierten Ausdrucksmöglichkeiten wieder neuen wissenschaftlichen Fortschritt fördern.
Das war schließlich vor 100 Jahren die Sprache der Nobelpreisträger!

Denken wir zum Beispiel aktuell nur einmal an den platten Ausdruck vom "climate change". Der sollte nach m.E. nicht als "Klima-Wandel", sondern viel treffender als "Klima-Zonen-Verschiebung" akzentuiert werden, und damit realistischer ausdrücken, was seit millionen von Jahren auf unserer Mutter Erde passiert.
Die "mad cows" oder "vaches folles" (für BSE-erkrankte Kühe) kann es überhaupt nicht geben, weil Rinder nicht verrückt oder wahnsinnig werden können, sondern lediglich auch an einer Hirnentzündung mit nervösen Ataxien und Zuckungen leiden können.
Diese kann nicht durch ein (angeblich infektiöses) Prion-Eiweiß verursacht sein. Viel wahrscheinlicher ist, daß die "falsch-gefalteten" Struktur-Eiweiße durch eine endogenetisch fehlgeleitete Protein-Synthese entstanden sind. Damit wären sie nur das Ergebnis von BSE.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt aus Rostock zum Beitrag »
[11.11.2011, 13:45:30]
Dr. Alois Putze 
Forscher und deutsche Sprache
Dieser Forderung des Goethe-Institutes - Forscher sollen deutsch sprechen - möchte ich mich voll und ganz anschließen! zum Beitrag »

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