Ärzte Zeitung online, 11.11.2011

Geldmangel: Unesco kürzt erste Programme

Krisenstimmung bei der Unesco: Nach dem finanziellen Rückzug der Amerikaner aus Protest gegen die Aufnahme der Palästinenser muss die UN-Organisation sparen. Ein Hilfsfonds soll Geld einbringen.

PARIS (dpa). Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) muss nach dem finanziellen Rückzug der Amerikaner wegen der Aufnahme Palästinas kürzertreten.

Unesco-Sprecher Eric Falt bestätigte am Donnerstag in Paris, dass diverse Publikationen und Konferenzen gestrichen und Programme gekürzt werden müssten.

"Die Situation ist schwierig, wir werden aber unsere Programme deswegen auf keinen Fall unterbrechen", betonte er.

"Schwere Krisensituation"

Unesco-Chefin Irina Bokova hatte vor dem Abschluss der Generalversammlung am späten Donnerstagabend radikale Sparmaßnahmen angekündigt und von einer schweren Krisensituation gesprochen.

Die USA als größter Beitragszahler und Israel hatten ihre Zahlungen gestoppt, nachdem die Organisation die Palästinenser zum Monatsanfang als 195. Mitglied aufgenommen hatte.

Verwirrung stifteten allerdings die unterschiedlichen Versionen einer am Vorabend gehaltenen Rede auf Englisch und Französisch, die erst am Donnerstag verbreiteten wurde.

Hilfsfonds geplant

Nur im französischen Teil wird Bokova mit den Worten zitiert: "Ich habe alle unsere Engagements ausgesetzt. Ich habe die Umsetzung aller unserer Programme während dieser Überprüfungsphase bis zum Jahresende suspendiert."

Aus Delegationskreisen hieß es, ein Aussetzen aller Programm sei aber undenkbar. Geplant sei zudem, einen Hilfsfonds zu gründen.

Bokova hatte betont, dass es bis Jahresende einen Fehlbetrag von 65 Millionen Dollar auszugleichen gelte. Im Fonds für die laufenden Kosten seien noch 30 Millionen. "Das erlaubt uns drei bis vier Wochen Autonomie."

Reserven bald aufgezehrt

Das Geld werde für den Budgetausgleich verwendet: "Das bedeutet, das wir das Jahr ohne jegliche Reserve beenden, in einer gefährlichen Situation."

Das Volumen der geplanten Einsparungen bei Publikationen, Konferenzen, Mitarbeiterreisen oder Kommunikationseinrichtungen dürfte rund 35 Millionen Dollar ausmachen.

"Doch das wird nicht ausreichen, um unser Problem zu lösen", erklärte die Unesco-Chefin demnach. Für 2012 drohe ein Defizit von 143 Millionen Dollar durch den Wegfall der US-Zahlungen.

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