Ärzte Zeitung online, 28.11.2011

Institut will Umwelt und Wohlstand sichern

POTSDAM (dpa). Bislang erreichten Menschen Wohlstand vor allem durch Wettbewerb und Eigentumsrechte. In Zukunft lässt sich der Wohlstand nur steigern, wenn die Menschheit zugleich die Natur achtet.

Das sind die Grundthesen für ein neues Institut in Potsdam, das im kommenden Jahr gegründet werden soll.

Wissenschaft und Politik müssten stärker verbunden werden, sagte der designierte Direktor des Mercator Instituts für Gemeinschaftsgüter und Klimawandel (MCC), Professor Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Warum ist ein solches Institut nötig? Edenhofer: "Der Wohlstand des 21. Jahrhunderts wird entscheidend davon abhängen, wie wir mit den Gemeinschaftsgütern der Welt umgehen, mit der Atmosphäre, den Wäldern, den Ozeanen und den Böden."

Wohlstand hängt an Zusammenarbeit

Die frühe Entwicklung der Industrialisierung hänge im Wesentlichen von den privaten Eigentumsrechten und vom Wettbewerb ab, nun gehe es eher um Gemeinschaftsgüter und Kooperation, sagt er.

Edenhofer: "Künftig wird Wohlstand auch viel stärker von der Zusammenarbeit auf ganz verschiedenen Ebenen abhängen. Klimawandel und Übernutzung der Ozeane, Waldvernichtung, Nahrungsmittelkrise und Finanzkrise - das sind alles verschränkte Themen. Wir wollen uns die Frage stellen: Wie kann man Gemeinschaftsgüter nachhaltig nutzen? Das ist die Grundidee."

Was möchten Sie kurz- und langfristig erreichen? Edenhofer: "Wir wollen eine Nahtstelle sein zwischen Wissenschaft und Politik. Da kommt auch meine Erfahrung als einer der Vorsitzenden des Weltklimarates IPCC ins Spiel, und die Förderung durch die sehr aktive Stiftung Mercator."

UN-Klimaverhandlungen nicht ausreichend

Die Beziehung zwischen Wissenschaft und Politik müsse verändert werden. "Wir werden umfassende Berichte (Assessments) erstellen, die den Entscheidungsträgern Möglichkeiten aufzeigen, unter neuen Bedingungen Politik zu machen."

Welche Rolle spielen UN-Klimaverhandlungen, wie sie am Montag gerade wieder im südafrikanischen Durban starten? Edenhofer: "Man muss zwei Wege gehen. Die UN-Klimarahmenkonvention ist hervorragend dazu geeignet, möglichst viele Staaten rechtlich einzubeziehen. Sie bietet Legitimität."

Allerdings sei die Konvention kein effizienter Verhandlungsmodus. Man müsse in einer anderen Runde, etwa im Rahmen der G20, über andere Themen reden, zum Beispiel über neue Wachstumsmodelle und Verstädterung.

Frage nach den Energiesystemen stellen

"In unserer Wahrnehmung werden in Afrika wenig Treibhausgase emittiert, aber es entstehen dort Städte, die künftig viel Kohlendioxid ausstoßen werden. Da wird es auf richtige Energiesysteme ankommen."

Edenhofer weiter: "Es muss - auch über eine Art Klimafonds - Geld geben, damit ein paar gute Beispiele zeigen können, dass Wirtschaftswachstum und Emissionen zu entkoppeln sind. Das würde es dann sicherlich erleichtern, dass man irgendwann auch internationale Klimaverhandlungen zum nötigen Erfolg führt."

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