Ärzte Zeitung, 29.11.2011

Welt-Anti-Doping-Code wird bis 2013 überarbeitet

MONTREAL (dpa). Der Welt-Anti-Doping-Code wird bis 2013 überarbeitet. Wie die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) am Dienstag mitteilte, beginnt dieser Prozess in den kommenden Tagen.

Verabschiedet wird die Neufassung des Kodex im November 2013 in Johannesburg. Die Beratungen könnten vor allem beim Thema Sanktionen für DopingVergehen zu einer brisanten Kontroverse führen.

Für Aufregung hatte die Feststellung der WADA gesorgt, dass die Regeln des britischen Nationalen Olympischen Komitees (BOA) nicht vereinbar mit dem Kodex seien.

Eine vollständige Anerkennung des Welt-Codes ist aber Voraussetzung für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen, die 2012 in London stattfinden. Streitpunkt ist die lebenslange Olympia-Sperre, die das BOA für Doping-Erstvergehen verhängt. Eine solche Sanktion ist im WADA-Code nicht vorgesehen.

IOC hatte gegen Code verstoßen

Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte mit der 2008 eingeführten "Osaka-Regel", nach der Athleten nach einer mehr als sechsmonatigen Doping-Sperre nicht an den folgenden Olympischen Spielen teilnehmen durften, gegen den Kodex verstoßen. Dies hatte der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne festgestellt.

"Alle Beteiligten werden aufgefordert, auf Grundlage ihrer praktischen Erfahrungen Anregungen zu machen und Änderungen vorzuschlagen", erklärte WADA-Präsident John Fahey.

Im Hinblick auf die bisherigen "relativ harmonischen" Anwendung des WADA-Codes sollte bei den Änderungsvorschlägen berücksichtigt werden, "welche Vorteile die globale Gemeinschaft der Athleten" davon haben könnte.

Der Code ist seit drei Jahren in Kraft. Um ihn neuen Herausforderungen anzupassen, wird er turnusmäßig unter Leitung der WADA überprüft und überarbeitet.

[27.12.2011, 16:38:28]
Dr. Horst Grünwoldt 
Anti-Doping-Kampf
Die ausufernde Jagd gegen vermeintliche Doping-Sünder, die voreilig auch noch als "Betrüger" abgestempelt werden, erinnert mich an den Anti-Alkohol-Kampf durch die Prohibition der 20er Jahre in den USA.
Dort, wo etwas verboten wird, erblüht bekanntlich die Nachfrage im Zwielicht der Illegalität und ein Sumpf von skrupellosen Geschäftemachern entwickelt sich wegen des Wunsches der Ausgegrenzten nach Ersatzbefriedigung.
Damit wird die Qualitäts-Prüfung und das In-Verkehr-Bringen der Drogen unkontrollierbar für unabhängige, staatliche Institutionen.
Schaun wir uns doch mal die online- Angebots- und Lieferanten-Listen im Internet genauer an.
Gesundheitsbezogene Kontrolle im Hochleistungs-Sport als Prävention ist immer zu begrüßen. So bietet es sich an, in Disziplinen, die eine schnell vergängliche Explosiv-Kraft erfordern (bei Werfern und Springern oder im Radrenn-Finish) den Rekordmann oder Sieger auf bestimmte riskane Stimulantien (Amphetamine) diskret zu testen.
Genau so könnte dies mit krassen Favoriten-Versagern geschehen.
Und zwar unmittelbar nach der auffälligen oder herausragenden Leistung; und immer nicht nur im Interesse der Konkurrenten, sondern auch im Sinne des Gesundheitsschutzes des jeweiligen Athleten.
Dagegen ist die ständige Überwachung der aktiven Berufsathleten, wie sie in höchst belastender Art und als Generalverdacht mittlerweile durch NADA/WADA praktiziert wird, nach m.E. demokratisch nicht mehr zu legitimieren.
Es gibt möglicherweise schon eine große Dunkelziffer von höchst talentierten Sportlern, die die Strapazen des täglichen Trainings und der Wettkämpfe wg. der psychischen Extrabelastung durch die o.g. rigiden Organisationen, und ihre z.T. rabiaten Kontrolleure, nicht mehr auf sich nehmen und deshalb auf eine wunderbare Sportkarriere verzichten.
Was die Wirksameit von Kontrollen und die Effizienz einer Organisation anbelangt, könnte auch beim Thema "Doping" vielleicht gelten:
"Weniger (an Apparat und Krisengewinnlern) ist manchmal mehr (an sportlichem Erfolg ohne Drogen)!"
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (Ex-Leichtathlet) aus Rostock  zum Beitrag »
[26.12.2011, 13:18:04]
Dr. Horst Grünwoldt 
WADA-Code
Auch ein Anti-Doping-Kodex hat vor allem Gerechtigkeit gegenüber betroffenen oder auch nur des Arzneimittel-Mißbrauchs verdächtigen Sportlern walten zu lassen.
Und das bedeutet natürlich, daß die allgemeinen Rechte des Bürgers im Sportdress durch keine Organisation wie NADA/WADA, NOK/IOC oder den Sportgerichtshof CAS "ruck-zuck" außer kraft gesetzt werden dürfen.
Das heißt insbesondere, daß nicht leichtfertig ein Berufsverbot ausgesprochen werden darf.
Der bisherige, zweifelhafte Spurennachweis irgend welcher, vermeintlich leistungsfördernder Pharmaka, darf nach m.E. überhaupt noch nicht zu einer Verbannung des (Berufs-)Sportlers aus dem (Berufs-)Wettkampfleben führen. Und zwar, weil die vermutete Vorteilsverschaffung bis heute in keinem einzigen Fall nachgewiesen worden ist.*)
Was jedem (Berufs-)Sportler im größten Selbstverständnis zusteht, ist die Optimierung seiner Leistungsfähigkeit -egal mit welchen Mitteln-, solange sie die Wettkampfgegner ebenfalls zur Verfügung haben.
Alleine der Begriff "verbotene Stoffe" ist medizinisch und im Sinne einer für jedermann zugänglichen Heilkunde betrachtet, wahrer Unsinn!
Jedem erwachsenen Menschen steht es frei, sich auf eigenes Risiko oder zum persönlichen Nutzen, neben der täglichen Nahrung auch Stoffe jeder Art "einzuverleiben".
Dazu gehören so gut wie auch alle die Substanzen, die auf den ausgewucherten Verbotslisten stehen.
Es erscheint mir völlig abwegig, jemanden wegen des Verdachts von "Doping" **) schon des Betrugs zu bezichtigen.
Vielmehr sollte jedem Verdächtigen immer die Chance gegeben werden, sich zu dem Spuren-Nachweis plausibel zu erklären.
Und wenn ihm das nicht gelingt, bleibt als härteste Bestrafung immer noch die Aberkennung eines Titels oder Rekordes durch die supranationale Sportgerichtsbarkeit.
Aber auch nur für den konkreten Fall, daß der unmittelbare Kontext zwischen Wirkstoff-Einnahme und exponierender Leistungssteigerung hergestellt werden kann.
Ohne diesen zeitlich engen "Überführungs-Raum" führt der bloße Spurennachweis irgendwelcher "verbotener" Substanzen" z.Z. wegen der langen Nachweisbarkeit -aber längst abgeklungenen pharmakologischen Wirkung- nach m.E. stets zu einem unzulässigen (Berufsverbots-)Urteil.

*)**) Der Begriff "Doping" selbst ist mystischen Ursprungs und wurde -trotz versuchter Verwissenschaftlichung- bis heute, außer in ein paar zweifelhaften Tierversuchen, niemals in einer Doppelblind-Studie an Leistungs-Sportlern verschiedener Disziplinen verifiziert.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock  zum Beitrag »

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