Ärzte Zeitung online, 04.12.2011

Bombenentschärfung: 45.000 Menschen verlassen Koblenz

Koblenz gleicht einer Geisterstadt: Altenheime, Krankenhäuser, ein Gefängnis und ein großes Gebiet rund um das Stadtzentrum waren am Sonntag menschenleer. Fast die Hälfte der Einwohner musste ihre Wohnungen und Häuser verlassen, weil Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wurden.

Von Christian Schultz

Bomben - 45.000 Menschen verlassen Koblenz

Sanitätskräfte evakuieren das Stiftungsklinikum in Koblenz: Das Krankenhaus liegt in dem Gebiet, das wegen der Entschärfung einer Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg evakuiert werden muss.

© Thomas Frey / dpa

KOBLENZ. Etwa 45.000 Menschen haben vor der Entschärfung mehrerer Weltkriegsbomben im Rhein die Stadt Koblenz verlassen. Die Räumung der Sperrzone sei bis zum Morgen problemlos abgelaufen, sagte Feuerwehrsprecher Manfred Morschhäuser am Sonntag.

Viele Bewohner seien bereits am Samstag zu Bekannten oder Verwandten gereist. Es ist die größte Evakuierung wegen eines Blindgängers in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Rund 2500 Helfer sind im Einsatz.

Bei einem Kontrollgang durch die Stadt mit insgesamt 106.000 Einwohnern prüften am Vormittag rund 1000 Einsatzkräfte, ob sich nicht doch noch Menschen in der Sperrzone aufhalten.

US-Bombe wiegt 1,8 Tonnen

Danach begannen die Experten des Kampfmittelräumdienstes mit der Entschärfung der zwei Weltkriegsbomben im Rhein. Vor der Entschärfung wurde am Sonntagmorgen das Rheinwasser um die Fundstelle der großen Bombe abgepumpt.

Das war in den vergangenen Tagen erfolgreich getestet worden. Auch die Entschärfung der kleineren Bombe könnte kompliziert werden. Sie ist den Experten zufolge in schlechtem Zustand.

12.000 Plätze in Schulen kaum begehrt

Für die evakuierten Menschen stehen sieben Betreuungsstellen mit 12.000 Plätzen in Schulen in Koblenz und Umgebung bereit. Bislang zeichnete sich aber ab, dass weit weniger Koblenzer das Angebot in Anspruch nehmen.

Bis 09.30 Uhr trafen in den Betreuungseinrichtungen nach Angaben der Stadt nur rund 330 Menschen mit den bereitgestellten Shuttle-Bussen ein. Lautsprecherdurchsagen forderten die verbliebenen Bewohner noch einmal auf, die Sperrzone im Umkreis von 1,8 Kilometern rings um die Bombe zu verlassen.

Mit Krankenwagen wurden am Morgen noch rund 200 pflegebedürftige Altenheimbewohner weggebracht. Schon in den vergangenen Tagen waren auch eine Haftanstalt und zwei Krankenhäuser geräumt worden.

Koblenz wurde am Sonntag zudem von allen überregionalen Straßen- und Bahnverbindungen getrennt.

Koblenz im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert

Fußgänger hatten die große Bombe war am 20. November im Rhein auf Höhe des Stadtteils Pfaffendorf entdeckt. Funde wie die in Koblenz häufen sich derzeit im Rhein, denn der Fluss hat nach dem ungewöhnlich trockenen November einen sehr niedrigen Wasserstand.

Koblenz war schon öfter Schauplatz spektakulärer Entschärfungen, weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg als Militärzentrum und Verkehrsknotenpunkt stark bombardiert worden war.

Bei der zuvor umfangreichsten Evakuierung in der Nachkriegsgeschichte hatten am Pfingstmontag 1999 rund 15 000 Koblenzer ihre Häuser räumen müssen. (dpa)

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