Ärzte Zeitung online, 24.01.2012

Mädchen stirbt an Methadon-Intox

HAMBURG (dpa). Ein elfjähriges Mädchen ist in Hamburg an einer Vergiftung mit der Heroin-Ersatzdroge Methadon gestorben. Das habe das vorläufige Ergebnis der Obduktion ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers am Montag.

Das Kind, das in einer Pflegefamilie lebte, starb bereits am 16. Januar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Pflegeeltern und gegen den leiblichen Vater wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Die Ermittler prüfen nun, wie das Substitutionsmittel Methadon in die Hände des Mädchens gelangen konnte. Der leibliche Vater sei früher drogenabhängig gewesen, sagte Möllers. Ob er auch heute noch süchtig ist, sei bisher unklar.

Der 41 Jahre alte Mann hatte den Angaben zufolge regelmäßig Kontakt zu seiner Tochter. "Wir untersuchen selbstverständlich auch, ob es Anhaltspunkte für Drogen in der Pflegefamilie gibt", erklärte Möllers. "Wir stecken mitten in den Ermittlungen."

Die Elfjährige war nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis organisch gesund und altersgemäß entwickelt, wie Möllers berichtete. "Es gab auch keine Anzeichen für Misshandlung oder Vernachlässigung."

Über 6000 Drogenabhängige in der Hansestadt

Die Wohnung allerdings soll verwahrlost gewesen sein: "Sie war in einem unordentlichen und unaufgeräumten Gesamtzustand."

Sechs Menschen hätten in der Vier-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Wilhelmsburg gelebt - die 47 Jahre alte Pflegemutter, der 51-jährige Pflegevater, zwei leibliche Kinder des Paares und ein weiteres Pflegekind. Der Stadtteil Wilhelmsburg gilt als sozialer Brennpunkt.

Das Mädchen hatte am Abend des 16. Januar leblos im Bett gelegen. Wer das Kind fand und den Notarzt alarmierte, konnte Möllers am Montag nicht sagen.

Auch seit wann die Elfjährige in der Pflegefamilie untergebracht war, blieb zunächst unklar. Die leibliche Mutter des Mädchens war 2010 gestorben.

In Hamburg gab es im vergangenen Jahr knapp 6500 drogensüchtige Patienten, die mit unterschiedlichen Ersatzstoffen behandelt wurden. Die meisten von ihnen - etwa 45 Prozent - hätten Methadon erhalten, sagte der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt.

[25.01.2012, 09:37:39]
Rudolf Egeler 
Methadonvergiftung eines Kindes
Unweigerlich wird auch in diesem Fall der Weg der Ermittlungsbehörden in die Praxis des substituierenden Arztes führen und die dortige Methadonnab-
gabepraxis unter die Lupe nehmen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »