Direkt zum Inhaltsbereich

Wer sich gesund fühlt, lebt auch länger

Gesundheit hängt nicht nur davon ab, ob jemand raucht oder krank ist, sondern auch von der Selbsteinschätzung. Das könnten Ärzte bei der Anamnese berücksichtigen.

Veröffentlicht:

ZÜRICH (eb). Wie Menschen ihre Gesundheit einschätzen, bestimmt ihre Überlebenswahrscheinlichkeit in den folgenden Jahrzehnten: Das Sterberisiko steigt von der Einschätzung "sehr gut" über "gut", "es geht", "schlecht" bis "sehr schlecht" kontinuierlich - und zwar unabhängig von Risikofaktoren wie Rauchen, niedrige Bildung oder Erkrankungen, berichten Forscher aus Zürich.

Der Zusammenhang bleibt bestehen, wenn man berücksichtigt, dass Personen, die ihre Gesundheit als schlecht einschätzen, sich durchschnittlich wenig gesundheitsbewusst verhalten, sozial benachteiligt sind, eine fragile Gesundheit haben oder bereits erkrankt sind.

Schon frühere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Einschätzung und Sterberisiko belegt, aber die Teilnehmer wurden nur über wenige Jahre beobachtet.

Zusammenhang über 30 Jahre beobachtet

Nun zeigen die Züricher Forscher: dass er auch über einen Zeitraum von über 30 Jahren gilt, so eine Mitteilung der Uni Zürich. Männer, die ihre Gesundheit als "sehr schlecht" bewerteten, hatten ein über 3,3-fach höheres Sterberisiko als gleichaltrige Männer mit der Bewertung "sehr gut".

1,9-mal so hoch war das Sterberisiko bei Frauen mit "sehr schlechter" Gesundheit im Vergleich zu jenen mit "sehr guter". Dabei nahm das Risiko von der optimistischsten zur pessimistischsten Einschätzung kontinuierlich zu: Personen mit "sehr guter" Gesundheit hatten günstigere Überlebenschancen als solche mit "guter" Gesundheit, letztere bessere als solche mit "mittelmäßiger" Gesundheit und so fort (PLoS One 9. Februar 2012).

"Die Dauer von über 30 Jahren macht es praktisch unmöglich, dass vorhandene Krankheiten oder eine dunkle Vorahnung Hauptursachen für den beobachteten Zusammenhang sind", wird Studienleiter Dr. Matthias Bopp zitiert.

Gesundheit nicht bloß Abwesenheit von Krankheit

Selbst Bildungsstufe, Zivilstand, Rauchen, chronische Krankheiten, Medikamenteneinnahme, Blutdruck und Blutzucker schwächten den Zusammenhang nur geringfügig ab. Bei Männern betrug der Unterschied im Sterberisiko der besten und schlechtesten Einschätzung 1:2,9 - bei Frauen 1:1,5.

Offenbar hätten Menschen, die ihre Gesundheit als sehr gut einschätzen, gesundheitsfördernde Eigenschaften, etwa eine positive Lebenseinstellung, heißt es.

Die Studie stütze die von der WHO vertretene Auffassung, dass Gesundheit nicht bloß Abwesenheit von Krankheit sei, sondern vollständiges körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden.

Deshalb könnten Ärzte auch nach solchen Gesundheitsressourcen fragen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Podcast Dr. Nele Frerksen-Kirschner

© Porträt: Dr. Nele Freerksen-Kirschner, Universitätsklinik Aachen | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Wechseljahresbeschwerden individuell behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gedeon Richter Pharma GmbH, Köln
Podcast Dr. Lars Reichstein

© Porträt: Dr. Lars Reichstein, Hamburg | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Stiller Reflux in der HNO-Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG, Hohenlockstedt
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
In der Schwangerschaft soll eine medikamentöse Blutdrucktherapie ab Werten 140/90 mmHg initiiert werden.

© Dragana Gordic - stock.adobe.com

Gestationshypertonie und Co.

Bluthochdruck in der Schwangerschaft: So gehen Sie therapeutisch vor