Ärzte Zeitung, 06.05.2012

Selbsthilfeverein startet Kontaktstelle für Loveparade-Opfer

DUISBURG (akr). Der Verein "Loveparade-Selbsthilfe" hat eine Kontaktstelle für Geschädigte und Angehörige von Opfern der Massenpanik bei der Technoveranstaltung in Duisburg eingerichtet.

Die Kontaktstelle unterstützt Hilfesuchende auch dabei, einen Behandlungsplatz für eine Psychotherapie zu finden. Das Unglück im Juli 2010 hat 21 Menschen das Leben gekostet, Hunderte wurden zum Teil schwer verletzt.

Viele Betroffe sind immer noch traumatisiert

Auch fast zwei Jahre danach leiden noch viele an den Folgen. "Die Probleme der Betroffenen sind sehr vielfältig und komplex", sagt Angelika Köhler, Leiterin der Kontaktstelle.

Die Einrichtung befindet sich in unmittelbarer Nähe des Duisburger Rathauses und wird von der Kommune finanziert. Viele Opfer leiden unter einem posttraumatischen Belastungssyndrom oder anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen.

"Unmittelbar nach der Loveparade wurden Hilfesuchende von Therapeuten bevorzugt behandelt", sagt Köhler. Aber das sei vorbei.

Viele müssten nun lange auf einen Behandlungsplatz warten oder fänden nach Abschluss der Reha keinen Psychotherapeuten für die Weiterbehandlung. In solchen Fällen will die Kontaktstelle helfen. "Wir haben ein großes Netzwerk mit Psychotherapeuten, Ärzten, Seelsorgern und Rechtsanwälten", sagt sie.

Viele Betroffene haben Arbeitsplatz verloren

Aufgrund langer Krankschreibungen haben viele Betroffene ihren Arbeitsplatz oder Lehrstelle verloren. "Die Arbeitsagenturen streichen Leistungen, weil sie nicht anerkennen, dass die Betroffenen unter krankheitsbedingter Antriebslosigkeit leiden", berichtet Köhler. Auch bei solchen Problemen bietet die Kontaktstelle Unterstützung.

Schwierig ist es für die Opfer, Schadenersatzforderungen durchzusetzen. Denn das Unglück ist noch nicht juristisch aufgearbeitet.

Auch bei Forderungen an den Haftpflichtversicherer des Loveparade-Veranstalters, der Axa, hätten Opfer Probleme, sagt Köhler.

"Sie müssen mit Gutachten belegen können, dass ihre Krankheit ursächlich mit der Massenpanik zusammenhängt", sagt sie. Das sei oft schwer.

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