Dienstag, 2. September 2014
Ärzte Zeitung, 14.11.2012

Forschung

Werden die Menschen dümmer?

BERLIN. Die durchschnittliche Intelligenz des Menschen schwindet allmählich - das behauptet ein US-Forscher.

Seine Begründung: Vor Tausenden Jahren, als die Menschen noch in Gruppen durch die Wildnis streiften, waren intellektuelle Fähigkeiten entscheidend zum Überleben eines jeden Menschen.

Doch seit die Menschheit Ackerbau betreibe und in größeren Gemeinschaften zusammenlebe, sei die Intelligenz des Einzelnen weniger wichtig geworden, so der Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree von der Stanford University im Fachblatt "Trends in Genetics".

Die Intelligenz hängt demnach von rund 2000 bis 5000 Genen ab. Diese Erbanlagen für das Gehirn seien Studien zufolge besonders anfällig für Mutationen.

Er vermutet, dass die Menschheit in den vergangenen 120 Generationen - also etwa 3000 Jahren - Schritt für Schritt an Intelligenz einbüßte. (dpa)

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[14.11.2012, 15:06:32]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Wissenschaft als Pferdewette?
"Ich würde wetten, dass ein durchschnittlicher Bürger aus dem Athen vor 3000 Jahren, der plötzlich in unserer Zeit auftauchen würde, einer der hellsten und intellektuellsten Köpfe wäre. Mit einem guten Gedächtnis, einer großen Palette von Ideen und einem klaren Blick für das Wesentliche", beginnt lt. Spiegel Online G. Crabtree in "Trends in Genetics".

Ich könnte dazu ergänzen, "wenn er in der Hellenischen Antike nicht mehr damit beschäftigt gewesen wäre, seine Sklaven vielfältig zu missbrauchen." Die führenden griechischen Intellektuellen hatten es auch nicht leicht: Sokrates wurde wegen Missachtung der Götter verurteilt, den Schierlingsbecher zu nehmen. Antipatros, Nachfolger des Sokrates starb 129 v. Chr. durch einen Giftbecher. Aristoteles zog nach Platons Tod 347 v. Chr. von Athen nach Assos in Kleinasien. Selbst Pythagoras wurde verfolgt und musste nach Süditalien fliehen.

Dummdreist zu behaupten, dass heutzutage die Intelligenz des Einzelnen weniger wichtig sei, beweist schlicht die eigene intellektuelle Überheblichkeit und fehlende psychosoziale Kompetenz. Es ist unredlich zu behaupten, bei prähistorischen Jägern und Sammlern seien die Menschen o h n e dumpfe Körperkraft, Schnelligkeit, Antritt, Jagdinstinkt, manuelle Geschicklichkeit oder Mut der Verzweiflung ausgekommen und hätten sich a l l e i n der Intellektualität hingegeben. Alle prähistorischen Daten belegen, dass es ein extrem hartes, anstrengend-auszehrendes Leben mit w e n i g Zeit für Kontemplation war. Die monumentale Kultstätte Newgrange (3150 v. Chr.) in Irland z. B. wurde lange vor dem Bau der ägyptischen Pyramiden nicht allein durch geistig hochdifferenzierte Persönlichkeitsmerkmale erstellt, sondern durch gigantische Hoch- und Tiefbauten mit geradezu übermenschlichen Kraftanstrengungen, Präzision und Durchhaltevermögen.

Wenn der Stanford-Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree über Intelligenz, Dummheit, vergleichende Anthropologie und die genetische Verortung der menschlichen Klugheit schwadroniert, ist er damit ein Zugpferd, auf das man eher nicht setzen sollte.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[14.11.2012, 12:42:36]
Dr. Horst Grünwoldt 
Intellekt und Gene
Welche intellektuellen Fähigkeiten hatten wohl die zottigen Horden vor ein paar tausend Jahren, als sie auf Nahrungssuche durch die Wildnis streiften?
Wie wir wissen, haben sie damals schon den nackten Überlebenskampf in einer rauhen Umwelt aufgrund menschlich-sozialer Eigenschaften gewonnen.
Daraus aber schließen zu wollen, daß vermeintliche "Intelligenz-Gene" seitdem so stark (negativ) mutiert sein sollen, daß der moderne Mensch im Laufe der Evolution (und Zivilgesellschaft) "dümmer" geworden ist, scheint mir doch eine verwegene Behauptung seitens der US- Genetiker.
Vielmehr ist erwiesen, daß kraft der Plastizität unseres Gehirns mit seinen Abermilliarden von hinzugewonnenen Neuronen, die intellektuellen Leistungen des homo sapiens seitdem enorm "zugelegt" haben. Das ist nicht nur daran zu ermessen, wie wir seitdem die besiedelte Welt gestaltet haben.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock  zum Beitrag »

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