Mittwoch, 23. Juli 2014
Ärzte Zeitung, 15.01.2013

Unwort des Jahres

Jury gibt Entscheidung bekannt

DARMSTADT. Für das "Unwort des Jahres 2012" sind mehr als 1000 verschiedene Vorschläge eingegangen. Welches Wort auf den Begriff "Döner-Morde" von 2011 folgt, will die Jury aus Sprachwissenschaftlern am Dienstag in Darmstadt bekanntgeben.

Bei den Einsendungen war "Schlecker-Frauen" am häufigsten genannt worden. Die Bezeichnung stammt aus der Krise der inzwischen pleitegegangenen Drogeriemarktkette Schlecker. "Döner-Morde" war ein Begriff, der für die Mordserie rechtsextremistischer NSU-Terroristen verwendet worden war.

Die häufige Nennung bedeutet aber nicht, dass die Bezeichnung "Schlecker-Frauen" automatisch auch der Favorit der Jury ist. Das Gremium entscheide unabhängig, meinte Jury-Sprecherin Nina Janich, Sprachwissenschaftlerin an der TU Darmstadt.

Eine Art Partner hat das "Unwort" bereits. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS/Wiesbaden) gab im Dezember "Rettungsroutine" als "Wort des Jahres" bekannt.

Der Begriff stehe für den Überdruss an der Schuldenkrise und immer wieder neuen Rettungskonzepten. "Beide Aktionen haben aber nichts miteinander zu tun", betonte Janich. (dpa)

|
Topics
Schlagworte
Panorama (22822)
Organisationen
Schlecker (39)
[16.01.2013, 13:39:09]
Dr. Horst Grünwoldt 
Unwörter
Es ist schön, daß unsere Sprachwissenschaftler ein im makabren Sinngehalt "Unwort des Jahres" herausfinden.
Dabei wimmelt es in unserem alltäglichen (unüberlegten) deutschen Sprachgebrauch massenhaft von unsinnigen Wortkonstrukten.
Ich denke dabei spontan an "Lebensdauer" von (toten)technischen Geräten (statt: Betriebs- oder Nutzungs-Dauer), "Trauerarbeit" für die Zeit der emotionalen Einkehr nach Verlust eines geliebten Menschen, "freiheitsliebendes Land"-anstelle Volkes, "Schutzhaftlager" für KZ oder Guantanamo u.v.a.
Ganz zu schweigen von den verdenglischten Modeausdrücken wie "etwas verleasen", statt eine Sache zu vermieten; oder dem unsäglichen "Cafe to go", der nun wirklich nicht gehen kann und auch nicht aus Togo stammt.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Herzenssache: Beschichtete Stents boomen

Wird es dem Patienten eng ums Herz, greifen Kardiologen hierzulande immer öfter zum beschichteten Stent. Sie sollen eigentlich Re-Interventionen vermeiden. Doch nach einer Analyse der Barmer GEK ist dem nicht so. mehr »

Schmerzmedizin: Gericht plädiert für Cannabis-Eigenanbau

Weil die Kosten für Cannabis aus der Apotheke zu hoch sind, möchten drei Patienten die Pflanzen anbauen. Vor Gericht haben sie einen Etappensieg errungen. mehr »

Latenz-Reversion: Dänen "kicken" HIV raus

Ein Durchbruch für neue HIV-Therapien? Dänische Forscher haben zumindest einen neuen Ansatz gegen schlummernde HI-Viren erfolgreich getestet. Doch ein Versuch macht noch keine Therapie. mehr »