Freitag, 19. Dezember 2014
Ärzte Zeitung, 22.01.2013

Tagung

Wie helfen Placebo-Effekte?

TÜBINGEN. Ein aufmunterndes Lächeln oder ein nettes Wort vom Arzt: Mit Freundlichkeit können Mediziner ihren Patienten manchmal viel besser helfen als mit Medikamenten, sagen einige Experten.

Solche Placebo-Effekte rücken immer stärker in den Fokus der Wissenschaft. Bei einer internationalen Tagung zur Wirksamkeit von Placebo in der Medizin in Tübingen erörtern Forscher diese Effekte.

Es müsse in der Medizin darum gehen, positive psychische Effekte zu verstärken und Ängste von Patienten zu minimieren, sagte Tagungsleiter Professor Paul Enck am Montag. Die Auswirkungen von solchen und ähnlichen Effekten sind Enck zufolge weitreichend.

So führe etwa eine ausführliche Aufklärung über die Risiken einer Operation dazu, dass Patienten anschließend tatsächlich häufiger an einer dieser Komplikationen litten. Auch die lange Liste von Nebenwirkungen auf Beipackzetteln könne Patienten regelrecht krank machen.

"Studien zeigen: Wenn eine Nebenwirkung aus dem Beipackzettel verschwindet, dann taucht sie auch nicht auf." Diese Nocebo-Effekte rückten deshalb immer stärker in den Fokus der Forschung.

"Ärzte müssten sich viel mehr Gedanken darüber machen, wie sie auf ihre Patienten wirken", forderte Enck. "Ein Placebo-Effekt ist keine Einbildung. Sie simulieren im Körper tatsächlich die Wirkung von Medikamenten", betonte der Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Das könnten sich Ärzte bei der Behandlung zunutze machen. Gleichzeitig rücke auch die Rolle der Mediziner selbst immer stärker in den Mittelpunkt.

Patienten mit einer Erkältung fühlten sich im Schnitt einen Tag schneller wieder gesund, wenn sie einen einfühlsamen, empathischen Arzt hätten. Ähnliche Studien gebe es bei Herz-Operationen.

«Placebo-Effekte haben viel mehr mit den Ärzten zu tun als mit den Patienten», betonte der Forscher.Gestresste und wenig empathische Ärzte erzielen Enck zufolge schlechtere Behandlungserfolge.

Sein Fazit: Die sprechende Medizin müsse gegenüber der Apparate-Medizin gestärkt und besser bezahlt werden. (dpa)

Das Programm der Tagung unter: www.placebo-vw.unito.it

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