Freitag, 6. März 2015
Ärzte Zeitung, 23.01.2013

Leitartikel zum Doping

Keiner traut sich an die wahren Probleme

Was für ein Theater! Lance Armstrong gesteht, was längst alle wissen. Die Berichterstattung nach dem Motto "Guter Sportler - böser Sportler" erfährt ein neues Kapitel, dessen Inhalt kaum an der Oberfläche eines gesellschaftlichen Phänomens kratzt. Derweil sind an der Dopingspirale längst neue Windungen erkennbar.

Von Thomas Meißner

blutkonserve-A.jpg

Mit Blutkonserven wird bei Blutdoping die Hämoglobinkonzentration des Blutes erhöht.

© Shutterstock

Über künftig mögliche oder bereits praktizierte neue Formen des Blutdopings hat jüngst Professor Wolfgang Jelkmann berichtet. Der Lübecker Physiologe ist unter anderem als Gutachter etwa für die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA unterwegs.

Nach seinen Angaben ist der Transfer des Erythropoetin (Epo)-Gens im Tierversuch bereits gelungen, etwa per subkutaner Injektion oder indem transgene, Epo-produzierende Zellen in den Körper gebracht werden.

Das An- und Ausschalten der Epo-Produktion könnte mit dem Tetrazyklin-Derivat Doxycyclin kontrolliert werden. Die besonders leicht zugänglichen Hautzellen (Keratinozyten) sind so genetisch manipuliert worden, dass sie Epo produzieren.

Aus Effektivitäts- und Sicherheitsproblemen, vor allem immunologischer Art, dürften solche Methoden nach Jelkmanns Meinung die Sportszene zwar noch nicht erreicht haben. Dennoch müsse man sie im Auge behalten.

Viel bedeutsamer sind kleinmolekulare Stoffe, welche auf Transkriptionsfaktoren einwirken, die das endogene Epo-Gen kontrollieren. Diese Chemikalien seien leicht herzustellen und zu beziehen, warnt Jelkmann.

Kobaltsalze zum Beispiel induzieren sehr effektiv die Epo-Gen-Expression. Früher wurde Kobaltchlorid anämischen Patienten in Tablettenform verabreicht. Heute ist das wegen der toxischen Wirkungen des Kobalts auf viele Organsysteme obsolet.

Dennoch besteht seit Jahren der Verdacht, dass Athleten in Kobaltsalz eine willkommene Alternative zu rekombinantem Epo sehen ...

Jetzt weiterlesen in der ÄrzteZeitung-App ...e.Med 30 Tage kostenlos testen ...

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Fachfremde Leistung: Wer darf wen impfen?

Welcher Facharzt darf welche Patienten impfen - und diese Impfung dann auch abrechnen? Die Masern-Epidemie hat diese alte Debatte neu befeuert. Dabei zeigt sich: Die 17 KVen gehen in dieser Frage unterschiedlich vor. mehr »

Praxisnetz München West: Hier ist das E-Health-Gesetz schon Realität

Was mit dem E-Health-Gesetz bislang nur geplant ist, leben die Ärzte im Praxisnetz München West längst: Bei ihnen laufen Medikationsdaten, aber auch Diagnosen automatisch in der Praxissoftware von Mitbehandlern ein. mehr »

Weiterbildungsordnung: Ärztinnen fühlen sich ausgebremst

Ärztinnen stehen während der Weiterbildung vor hohen Hürden: Wegen der Familiengründung arbeiten viele Frauen in Teilzeit - und sehen sich bei der Karriere ausgebremst. Die DGHO fordert Korrekturen in der Weiterbildungsordnung. mehr »