Sonntag, 20. April 2014
Ärzte Zeitung online, 25.01.2013

Plagiat mit der Leber

Da war er weg, der Doktortitel

Die zentrale Figur im Göttinger Transplantationsskandal sitzt in Haft. Auch seine Frau sieht sich Ärger ausgesetzt: Sie hat ihren Doktortitel verloren - und Widerspruch eingelegt.

Da war er weg, der Doktortitel

Stempel drauf.

© Doc RaBe / fotolia.com

GÖTTINGEN. Die Ehefrau des früheren Cheftransplanteurs am Göttinger Uniklinikum hat ihren Doktortitel aberkannt bekommen. Die Medizinfakultät der Uni Regensburg habe ihr aufgrund einer von der Promotionskommission festgestellten Täuschung den Doktorgrad entzogen, teilte Uni-Sprecher Alexander Schlaak mit.

Die Betroffene habe gegen diese Entscheidung inzwischen Widerspruch eingelegt. Die in Göttingen praktizierende Zahnmedizinerin soll große Teile ihrer Doktorarbeit aus der Dissertation ihres Ehemannes übernommen haben.

Der Leberchirurg sitzt seit zwei Wochen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts des Totschlages in neun Fällen sowie in jeweils einem Fall wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge.

In zwei Fällen soll er eine Lebertransplantation vorgenommen haben, ohne dass eine entsprechende Indikation vorlag. Die beiden betroffenen Patienten sollen an den Folgen der Transplantation gestorben sein.

Der 45-jährige Transplantationschirurg hatte 2004 bei dem Direktor der Chirurgischen Klinik in Regensburg promoviert. Zwei Jahre später promovierte sich seine Ehefrau, die Zahnmedizin studiert hat, bei dem gleichen Doktorvater und erwarb damit den Doktorgrad der Zahnmedizin.

Ihre Dissertation befasste sich, wie auch die ihres Mannes, mit Behandlungsstrategien beim Leberkrebs.

Beide Arbeiten, die frappierende Ähnlichkeiten aufweisen, basieren auf den Krankenakten von Leberkrebspatienten, die zwischen Januar 1995 und März 2002 in der Transplantationschirurgie des Göttinger Uniklinikums behandelt wurden. In ihrer Literaturliste taucht die Arbeit ihres Ehemannes nicht auf.

Die Uni Regensburg überprüfe in diesem Zusammenhang auch die Umstände des wissenschaftlichen Fehlverhaltens, so Schlaak. Nach Abschluss der Überprüfung würden gegebenenfalls "notwendige Schritte eingeleitet". (pid)

|
[28.01.2013, 14:55:30]
Rudolf Egeler 
Zahnmedizinerin promoviert über Leberthema
Ausser in den wenigen Fällen, wo ein Doppelstudium (Human-und Zahnmedi -
zin ) vorliegt, sollte ein "Leberthema" für eine pure Zahnmediziner(in)
nicht vergeben werden. Da hat sowohl der sogen.Doktorvater als auch die
dafür zuständige Abteilung der Med.Fakultät Regensburg versagt! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Neuer Wirkstoff: Ein kleines Molekül stoppt Masern

Ein neues Molekül könnte bald Masern bei Ungeimpften stoppen. Zumindest bei Tieren klappt das ganz gut - mit einer Tablette und bei einem Masern-ähnlichen Virus. mehr »

Warnung: Gefälschte Arzneimittel im Umlauf

Mehrere Chargen hochpreisiger Biologicals sind in Italien gestohlen worden. Jetzt tauchen sie mit gefälschten Zertifikaten in Deutschland auf. Das BfArM warnt: Die Präparate könnten gestreckt oder verunreinigt sein. mehr »

Westafrika: Ebola-Ausbruch geht auf Kind zurück

Über 200 Erkrankte und 121 Tote: Der Ebola-Ausbruch in Westafrika wird wohl langsam eingedämmt. Eine erste Analyse zeigt jetzt: Ein Kind hat die Erkrankungswelle verursacht. Und: Das Virus ist parallel entstanden. Außerdem haben die Forscher den Weg des Ausbruchs nachgezeichnet. mehr »