Mittwoch, 23. April 2014
Ärzte Zeitung online, 25.01.2013

Plagiat mit der Leber

Da war er weg, der Doktortitel

Die zentrale Figur im Göttinger Transplantationsskandal sitzt in Haft. Auch seine Frau sieht sich Ärger ausgesetzt: Sie hat ihren Doktortitel verloren - und Widerspruch eingelegt.

Da war er weg, der Doktortitel

Stempel drauf.

© Doc RaBe / fotolia.com

GÖTTINGEN. Die Ehefrau des früheren Cheftransplanteurs am Göttinger Uniklinikum hat ihren Doktortitel aberkannt bekommen. Die Medizinfakultät der Uni Regensburg habe ihr aufgrund einer von der Promotionskommission festgestellten Täuschung den Doktorgrad entzogen, teilte Uni-Sprecher Alexander Schlaak mit.

Die Betroffene habe gegen diese Entscheidung inzwischen Widerspruch eingelegt. Die in Göttingen praktizierende Zahnmedizinerin soll große Teile ihrer Doktorarbeit aus der Dissertation ihres Ehemannes übernommen haben.

Der Leberchirurg sitzt seit zwei Wochen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts des Totschlages in neun Fällen sowie in jeweils einem Fall wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung und der Körperverletzung mit Todesfolge.

In zwei Fällen soll er eine Lebertransplantation vorgenommen haben, ohne dass eine entsprechende Indikation vorlag. Die beiden betroffenen Patienten sollen an den Folgen der Transplantation gestorben sein.

Der 45-jährige Transplantationschirurg hatte 2004 bei dem Direktor der Chirurgischen Klinik in Regensburg promoviert. Zwei Jahre später promovierte sich seine Ehefrau, die Zahnmedizin studiert hat, bei dem gleichen Doktorvater und erwarb damit den Doktorgrad der Zahnmedizin.

Ihre Dissertation befasste sich, wie auch die ihres Mannes, mit Behandlungsstrategien beim Leberkrebs.

Beide Arbeiten, die frappierende Ähnlichkeiten aufweisen, basieren auf den Krankenakten von Leberkrebspatienten, die zwischen Januar 1995 und März 2002 in der Transplantationschirurgie des Göttinger Uniklinikums behandelt wurden. In ihrer Literaturliste taucht die Arbeit ihres Ehemannes nicht auf.

Die Uni Regensburg überprüfe in diesem Zusammenhang auch die Umstände des wissenschaftlichen Fehlverhaltens, so Schlaak. Nach Abschluss der Überprüfung würden gegebenenfalls "notwendige Schritte eingeleitet". (pid)

|
[28.01.2013, 14:55:30]
Rudolf Egeler 
Zahnmedizinerin promoviert über Leberthema
Ausser in den wenigen Fällen, wo ein Doppelstudium (Human-und Zahnmedi -
zin ) vorliegt, sollte ein "Leberthema" für eine pure Zahnmediziner(in)
nicht vergeben werden. Da hat sowohl der sogen.Doktorvater als auch die
dafür zuständige Abteilung der Med.Fakultät Regensburg versagt! zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Anästhesist Böttiger im Interview: "Hauptsache heftige Herzmassage!"

Jährlich sterben fast 70.000 Menschen in Deutschland, weil bei ihnen die Wiederbelebung versagt. Im Interview erklärt Professor Bernd Böttiger, wie 10.000 Thesen das ändern sollen - und was Ärzte von Daft Punk lernen können. mehr »

Dringende Fälle: Von wegen lange Wartezeiten

Wartezeiten auf einen Facharzttermin lassen sich nicht wegdiskutieren - und werden auch von Ärzten nicht bestritten. Aber im Notfall geht es für die Patienten dann doch ganz schnell, wie eine exklusive Umfrage zeigt. mehr »

Gesucht: Gegengift für legale Drogen

Legale Suchtmittel treiben jedes Jahr Zehntausende in Deutschland in den Tod. Allein an der Kombi aus Alkohol und Tabak stirbt alle sieben Minuten ein Mensch. mehr »