Ärzte Zeitung, 19.04.2013

Promis leben nicht lang

Schauspieler sterben am frühesten

SYDNEY. Ruhm und Erfolg bringen Geld und Beachtung - aber auch mehr Lebensjahre? Dieser Frage sind australische Forscher nachgegangen (QJM: An International Journal of Medicine 2013; online 17. April).

Sie haben in 1000 Todesanzeigen der "New York Times" den Beruf und das Alter der Gestorbenen analysiert.

Ihre Hypothese: Nur als berühmter Mensch wird man in einer solchen Zeitung erwähnt. Die kürzeste Lebensspanne hatten Schauspieler (durchschnittlich 77.1 Jahre), Sportler (77.4 Jahre) sowie Kreative wie Autoren, Komponisten und Künstler (78.5 Jahre).

Länger lebten Politiker (82.1 Jahre), Geschäftsleute (83.3 Jahre) und Militär-Angehörige (84.7 Jahre). Prominente mit diesen Berufen lebten auch länger als die Normalbevölkerung. (eis)

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New York Times (221)
[22.04.2013, 12:59:10]
Dr. Horst Grünwoldt 
Langlebigkeit
Die Todesanzeigen in der "New York Times" offenbaren uns gemäß einer australischen Studie, daß angeblich Militärpersonen die höchste durchschnittliche Lebenserwartung von nahezu 85 Jahren haben!
Dabei dürfte es sich gewiß nicht um Frontkämpfer handeln, sondern eher um "Etappen-Hengste".
Oder liegt es daran, daß die "Sandkastenspiele" in Friedenszeiten die beste körperliche Ertüchtigung und gesunde Alterung nach der Frühpensionierung garantieren?
Uniform- und Lametta-Träger werden zudem als stolzer Gockel auch noch oftmals von der holden Weiblichkeit bewundert und verwöhnt...
Daß viele Politiker ihnen im Altwerden auf den Fuß folgen, überrascht nicht.
Schließlich wird deren zeitlich begrenzter Berufsstress durch so manche, in der steilen Parteikarriere angestrebten, alltäglichen Privilegien mehr als kompensiert.
Beide Berufsgruppen zeigen uns aber auch, daß sie mit der Lebens-Intensität von Rock- und Popstars, Schauspielern und Hochleistungs-Sportlern nicht mithalten können.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock  zum Beitrag »
[21.04.2013, 16:36:20]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Sex and Drugs and Rock'n Roll?
Zum frühen Tod und zur hohen Sterberate bei Rock- und Pop-Künstlern ist eine Studie im British Medical Journal (BMJ) wesentlich interessanter, als lediglich Todesanzeigen in der "New York Times" zu studieren. Unter
BMJ Open 2012;2:e002089 doi:10.1136/bmjopen-2012-002089
findet sich eine Arbeit von M. A. Bellis et al. mit dem Titel:
"Dying to be famous: retrospective cohort study of rock and pop star mortality and its association with adverse childhood experiences".

Kindheit, Leben, Erfolg und Drogenkarriere von 1.489 Rock- und Popstars in Nordamerika und Europa, die zwischen 1956 und 2006 zu Berühmtheit kamen, wurden retrospektiv analysiert ["Design: A retrospective cohort analysis based on biographical data. An actuarial methodology compares postfame mortality to matched general populations...Setting: North America and Europe. Participants: 1489 rock and pop stars reaching fame between 1956 and 2006."]

Geschlussfolgert wurde, dass biografisch bedingtes, gesundheitsschädigendes Verhalten entweder bereits in der Kindheit erworben und in der Persönlichkeitsentwicklung angelegt war oder mit zunehmender Berühmtheit und aufkommendem Reichtum erst erworben wurde. Die Fans sollten in ihren Idolen nicht nur die Symbole des Erfolges, sondern auch die Abgründe der Drogenabhängigkeit und die Angst vor Absturz und Versagen sehen.

"Jim Morrison, Jimi Hendrix, Elvis Presley, Janis Joplin, Michael Jackson, Whitney Houston, Amy Winehouse – die Liste der früh gestorben Rock- und Popstars ist lang", schrieb ÄZ-Autor Pete Smith. "Von den 1489 Stars, darunter Pop-, Rock-, R and B-, Electronica-, New Age-, Punk- und Rap-Größen, waren bis zum Ende des Untersuchungszeitraums (20. Februar 2012) insgesamt 137 Musiker gestorben: zehn an den Folgen eines chronischen Drogen- und Alkoholkonsums, 25 an einer Überdosis und sieben in Folge von Unfällen, die unmittelbar im Zusammenhang mit Drogen und Alkohol standen...Am Ende haben die Wissenschaftler einen Mythos entzaubert. Die „Club 27“-These geht davon aus, dass Pop- und Rockstars statistisch gesehen überdurchschnittlich häufig im Alter von 27 Jahren sterben: wie Brian Jones, Jim Morrison, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Kurt Cobain und Amy Winehouse."

Auch n i c h t zum "Club 27" gehörte Freddie Mercury, Front-Sänger der Gruppe "Queen", als Farrokh Bulsara am 5. September 1946 in Stone Town, Zanzibar, geboren. Er starb mit 45 Jahren am 24. November 1991 in England an AIDS nach einer äußerst intensiven und erfolgreichen Karriere von 1969–1991 als Sänger, Keyboarder, Gitarrist, Komponist, Textautor und Musikproduzent. Ihm und allen anderen, oft viel zu früh Verstorbenen in der Musikbranche galt das Motto: "Live Fast, Love Hard and Die Young!" (Faron Young 1955). Das Motto "Live fast, die young, and have a good-looking corpse!” stammt dagegen aus dem Film "Knock On Any Door" von 1949.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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