Ärzte Zeitung, 16.05.2013

Ehrgeiziges Projekt

Rettung für eine Million Kinder

Mit Pilotprogrammen in der Demokratischen Republik Kongo und in Kenia beginnt eine mehr als ehrgeizige Partnerschaft: Die Hilfsorganisation Save the Children und GlaxoSmithKline wollen einer Million Kindern das Leben retten.

Von Christoph Fuhr

blackchild-A.jpg

Fit für die Rückkehr nach Hause: Koursia aus dem Niger war unterernährt, in der Station von "Save the children" hat sie sich erholt.

© GSK/Save the children

MÜNCHEN. Lebensretter für eine Million Kinder aus bitterarmen Ländern werden - wie soll das funktionieren? Aus Sicht des Pharmaunternehmens GlaxoSmithKline (GSK) und der internationalen Hilfsorganisation Save the Children ist dieses Ziel keineswegs unrealistisch.

Sie haben ein differenziertes Konzept entwickelt und wollen bei ihrer vor einigen Tagen vorgestellten Kooperation völlig neue Wege gehen.

Gemeinsam wird ein Forschungs- & Entwicklungs-Board für Pädiatrie gegründet, um Ursachen für den Tod von Kindern zu bekämpfen.

Dieser strategische Ansatz soll mit dazu beitragen, dass die Entwicklung von innovativen lebensrettenden Maßnahmen für Kinder unter fünf Jahren beschleunigt wird.

Ziel müsse es sein, Wege zu finden, den breitestmöglichen Zugang in den Entwicklungsländern sicherzustellen, hieß es vergangenen Woche bei der Vorstellung des Programms in Nairobi.

Gemeinsam an einem Strang

"Wir glauben, dass Kinder maximal davon profitieren können, wenn wir uns die Innovations- und Forschungskraft von GSK und deren globale Einflussmöglichkeiten zunutze machen", erläuterte Justin Forsyth, Vorstandschef von Save the Children, die neue Partnerschaft.

Die wegweisende Kooperation bedeutet für beide Organisationen, auf völlig neue Art und Weise zu arbeiten, um Kindern das Leben zu retten.

Save the Children soll GSK bei der Erforschung und Entwicklung von Medikamenten für Kinder unterstützen.

GSK will dabei das Wissen über Kindergesundheit und die Expertise der Hilfsorganisation nutzen, um Kinder, die in den abgelegensten Gebieten und am Rande der Gesellschaft leben, mit grundlegender Gesundheitsversorgung zu erreichen.

Im Konzept von besonderer Bedeutung sind zwei Medikamente: Ein Antiseptikum, das in Mundwasser verwendet wird, soll zu einem lebensrettenden Produkt für Neugeborene entwickelt werden.

Konkret geht es dabei um Chlorhexidin - enthalten in GSK's Mundspülung Chlorhexamed® - das eingesetzt wird, um den Rest der Nabelschnur bei Neugeborenen vor einer Infektion zu schützen.

Lange Liste von Zielen

Diese Infektion gehört zu den Haupttodesursachen bei Neugeborenen in armen Ländern. Studien aus Pakistan und Bangladesh belegen, dass die Desinfektion des Nabelschnur extrem positive Auswirkungen hat. Von sechs Säuglingen, die sterben, kann einer mit Hilfe dieser Maßnahme gerettet werden.

Weiteres Kernziel ist eine schnelle Zulassung und der Roll-Out von kinderfreundlichen Antibiotika in Puderform zur Therapie bei Lungenentzündungen - insbesondere in Ländern mit hoher Inzidenz der Erkrankung.

Lungenentzündungen sind derzeit jedes Jahr Ursache für den Tod von 1,4 Millionen Kindern unter fünf Jahren.

Die Liste der zusätzlich von GSK und Save the Children formulierten Kooperationsziele ist lang: Unter anderem wird angestrebt, mehr Impfstoffe für arme Kinder zur Verfügung zu stellen, die Investitionen in Helfer des lokalen Gesundheitswesens auszubauen und mit dazu beizutragen, dass Nahrungsmittel zur Bekämpfung von Unterernährung bei Kindern auch bezahlbar bleiben.

Bei jedem dritten gestorbenen Kind unter fünf Jahren ist die Ursache Unterernährung. Ein gemeinsames Projektteam von GSK und Save the Children konzentriert sich auf die Entwicklung eines kostengünstigen Nahrungsmittels für arme Familien.

Große Fortschritte erzielt

Pilot-Programme für das groß angelegte Projekt starten zunächst in der Demokratischen Republik Kongo und in Kenia. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen dann dazu genutzt werden, die Programme analog auch in anderen Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika zu implementieren.

In vergangenen Jahren sind zwar große Fortschritte erzielt worden, dennoch starben 2011 noch fast sieben Millionen Kinder, weil ihnen der Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung, Impfstoffen oder nahrhaften Lebensmitteln fehlt.

"Eine Partnerschaft dieser Dimension gibt uns die Möglichkeit, etwas Großartiges zu erreichen, erläuterte Sir Andrew Witty, Vorstandsvorsitzender von GSK. "Wir sind motiviert, innovative lebensrettende Medikamente zu entwickeln und diese den Menschen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen."

Durch den Zusammenschluss mit Save the Children könne verhindert werden, dass Kinder an vermeidbaren Erkrankungen sterben.

Witty setzt auch auf seine GSK-Mitarbeiter: Sie sollen eingebunden werden, um das Bewusstsein für die Initiative zu fördern. Ziel ist es, die Mitarbeiter zu motivieren, eine Summe von einer Million Pfund im Jahr zu spenden, die von GSK verdoppelt wird.

Topics
Schlagworte
Panorama (30155)
Organisationen
GlaxoSmithKline (1106)
Wirkstoffe
Chlorhexidin (18)
Personen
Christoph Fuhr (363)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »