Ärzte Zeitung, 27.05.2013

Schleswig-Holstein

Ein Programm für dicke Kinder

Der Aufbau eines landesweiten Anti-Adipositas-Angebots ist für niedergelassene Ärzte auch eine wirtschaftliche Herausforderung. Diese Erfahrung macht zurzeit Dr. Michael Emken aus Bad Segeberg. Mit seinem Programm ist der Allgemeinmediziner auf einem guten Weg.

Von Dirk Schnack

Ein Programm für dicke Kinder

Finger weg von Fastfood: Im Ernährungsprogramm "Junior Marvelesse" geht es auch um gesunde Ernährung.

© Digitalpress / fotolia.com

BAD SEGEBERG. Aufhören oder expandieren? Vor dieser Frage stand Emken vor zwei Jahren, als die Entwicklung seines Ernährungsprogramms für Kinder stockte.

Er entschied sich für die Expansion und ist heute mit seinen Kursen in neun Städten Schleswig-Holsteins präsent und damit im Land zwischen den Meeren der nach eigenen Angaben größte Anbieter ambulanter Trainingsprogramme für adipöse Kinder und Jugendliche.

An den ersten Standorten arbeitet sein Programm "Junior Marvelesse" inzwischen kostendeckend. So erreicht er etwa in Bad Segeberg und Neumünster ausgebuchte Gruppen, die anderen Standorte sind davon zum Teil aber noch weit entfernt.

"Das ist noch ein ehrenamtliches Geschäft", sagt Emken im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Noch arbeitet er selbst weitgehend ohne Bezahlung und opfert viel Freizeit für sein Konzept.

Zehn Kinder benötigt er in jedem Kurs für die Kostendeckung, das schafft er in den meisten der seit 2009 angebotenen Kursen noch nicht. Emken ist aber zuversichtlich, dass sein Programm mittelfristig auch wirtschaftlich Erfolg haben wird.

Erfolgserlebnisse vermitteln

Ein Programm für dicke Kinder

Dr. Michael Emken, Allgemeinmediziner in Bad Segeberg.

© Schnack

Ziel sind zwölf Kinder pro Gruppe, die dort von Ärzten, Sportlehrern und anderen professionellen Betreuern einmal wöchentlich über 12 Monate hinweg unterrichtet werden. Emken hat dafür den Kontakt zu örtlichen Sportvereinen gesucht und arbeitet eng mit ihnen zusammen.

Junior Marvelesse beschäftigt sich mit der Frage, wie man adipöse Kinder und Jugendliche erfolgreich zum Abnehmen bewegen kann. Die interdisziplinären Einheiten sollen den Kindern Erfolgserlebnisse vermitteln. So werden unter anderem Kraft, Ausdauer und Koordination trainiert.

Ein weiterer Bestandteil ist das Kompetenztraining, bei dem das Selbstvertrauen der Kinder gestärkt wird, aber auch Ernährungsgewohnheiten veranschaulicht werden. Wichtig ist für Emken die Einbeziehung der Eltern: "Die müssen das unterstützen, damit die Kinder dauerhaften Erfolg haben".

Deshalb werden Eltern ebenfalls zur Schulung eingeladen. Außerdem müssen sie die Kursgebühren, jeweils 130 Euro, tragen. Fast alle gesetzlichen Kassen übernehmen nach Einzelfallprüfung aber zwischen 60 und 95 Prozent der Kosten.

Kooperation mit Uniklinik Lübeck

Emken hat einen hauptamtlichen Geschäftsführer für Junior Marvelesse angestellt, der sich um die komplette Organisation und Koordination, etwa mit den Betreuern vor Ort kümmert. Nun ist sein Ziel, das Programm bekannter zu machen. 

Neben der Expansion vor zwei Jahren ist Emken jüngst mit einer Kooperation mit der Lübecker Uniklinik ein weiterer Meilenstein geglückt. Das UKSH schult nach einem vergleichbaren Konzept wie Emken, die Programme sind nun angeglichen worden.

Bei Interesse und Wohnortnähe soll Betroffenen auch das Konzept des Kooperationspartners angeboten werden. Solche Fortschritte bestärken den 44-jährigen Allgemeinmediziner in der Hoffnung, sich eines Tages intensiver seinem Programm widmen zu können - und zwar kostendeckend.

"Dafür würde ich auch in meiner Praxis kürzer treten."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »