Ärzte Zeitung, 25.06.2013

Chiropraktiker im Hochwassergebiet

Ein Helfer für die Helfer

Pierre André Wedeking ist Chiropraktiker. Mit sieben Kollegen hat er Rückenschmerzen von 500 Fluthelfern gelindert - unentgeltlich.

Von Jonas Tauber

Ein Helfer für die Helfer

Chiropraktiker Pierre André Wedking ist von Bielefeld ins Flutgebiet gefahren, um Helfern ihre Wirbelsäule wieder zurecht zu rücken.

© privat

KÖLN. Fluthelfer haben in den vergangenen Tagen Tausende Sandsäcke zur Verstärkung auf die Schutzwälle gegen die Überschwemmungen gewuchtet.

Weil diese Arbeit die Wirbelsäule stark belastet, ist der Bielefelder Chiropraktiker Pierre André Wedeking kurzerhand zusammen mit Kollegen für zwei Wochenenden an die Deiche gefahren, um den Helfern seinerseits Hilfe anzubieten.

"Je länger die Menschen an den Dämmen arbeiten, umso stärker wird der Druck auf Wirbel und Bandscheiben und damit auf die austretenden Spinalnerven", erklärt er. "Irgendwann blockieren die Wirbel - Schmerzen und Erschöpfung folgen."

Wirbel-Blockierungen lösen

Um die Helfer professionell versorgen zu können, nahm Wedeking mehrere Behandlungsliegen aus seiner Praxis mit ins Überschwemmungsgebiet.

"Bei Helfern mit Schmerzen untersuchten wir sämtliche Wirbel auf Blockierungen", berichtet er. Dann brachten die Chiropraktiker die betroffenen Stellen wieder in die richtige Position.

Beim ersten Hilfseinsatz im niedersächsischen Damnatz am 8. und 9. Juni landeten 200 Soldaten, Feuerwehrleute, THW-Mitarbeiter oder Polizisten auf Wedekings Liegen.

Er behandelte zusammen mit zwei Bielefelder Kollegen und seinen beiden Assistenten.

Eine Woche darauf fuhren er und sein Team ins schleswig-holsteinische Lauenburg. Diesmal reisten zusätzlich drei Chiropraktiker aus Osnabrück an. Gemeinsam schafften sie 300 weitere Behandlungen.

Unentgeltlicher Einsatz

Ihre Arbeit leisteten die Chiropraktiker unentgeltlich und in ihrer Freizeit. Ein Bielefelder Wohnungsunternehmen unterstützte die Aktion mit einer Spende für Fahrtkosten und Spesen. Wedeking sagt, er wäre jederzeit bereit für einen weiteren Einsatz.

"Die Aktion war zwar anstrengend, aber die erfreuten Gesichter nach der Behandlung und die Dankbarkeit, die wir zurückbekamen, ließ uns dies vergessen", erzählt er.

Seine Praxis-Assistentin brachte den Chiropraktiker auf die Idee mit der Hilfsaktion. Ihre Verwandten leben mitten im Flutgebiet, berichtet Wedeking.

Außerdem habe er sich an eine Kollegin erinnert, die 2010 nach Haiti ins Erdbebengebiet gereist ist, um dort zu helfen.

Lesen Sie dazu auch:
Nach dem Hochwasser in Sachsen-Anhalt: Auf Hausbesuch mit dem Unimog
Hochwasser in Niedersachsen: Ärztliches Notquartier beim Steuerberater
Hausarzt aus Greiz: "Wie schnell die Flut kam, war erschreckend"
Sachsen: Jedes fünfte Pflegeheim geschädigt
Chiropraktiker im Hochwassergebiet: Ein Helfer für die Helfer

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »