Ärzte Zeitung, 25.06.2013

Sachsen

Jedes fünfte Pflegeheim geschädigt

In Sachsen und Sachsen-Anhalt mussten viele Pflegeheime wegen der Flut evakuiert werden. Einige sind in Existenznot.

Von Thomas Trappe

DRESDEN/MAGDEBURG. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist auch ein Großteil der Pflegeheime von der Flut betroffen. Das erklärten die beiden Landesverbände des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) auf Anfrage.

Wie hoch der Schaden in den Heimen ist, sei noch nicht absehbar. Der bpa Sachsen-Anhalt forderte die Pflegekassen zur Unterstützung auf.

Rund 90 Pflegeheime betroffen

In Sachsen ist nach Angaben des dortigen bpa jedes fünfte Mitglied betroffen, also 90 Pflegeheime. Schwerpunkt seien die Sächsische Schweiz und Riesa in Mittelsachsen.

"Mehrere Pflegeeinrichtungen und Klienten ambulanter Dienste und Tagespflegeeinrichtungen mussten nach Anordnung des Katastrophenschutzes komplett evakuiert werden", wurde erklärt.

Die Arbeitsfähigkeit der Einrichtungen war dabei nicht nur durch das Wasser in den Häusern eingeschränkt, sondern auch dadurch, dass "Mitarbeiter auch in der eigenen Häuslichkeit betroffen" und viele zusätzlich durch Ehrenämter bei Feuerwehren oder Technischem Hilfswerk eingebunden waren.

Dr. Matthias Faensen, Vorsitzender des bpa Sachsen, lobte die "Solidarität der bpa-Mitgliedsunternehmen". So hätten sich viele während der Flut gegenseitig freie Plätze zur Verfügung gestellt.

Regionen Bernburg und Aken bilden Schwerpunkte in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt ist laut bpa-Landesverband jedes zweite Haus betroffen, vorrangig in den Saale-Regionen Bernburg und Aken. "Vor allem im ländlichen Raum mussten die Kunden ihr Zuhause verlassen", erklärte ein Sprecher.

"Mehrere Pflegeeinrichtungen und ambulante Dienste mussten komplett evakuiert werden." Die betroffenen Patienten seien auf andere Heime und Notunterkünfte verteilt worden. Bis wieder ein regulärer Betrieb möglich ist, würden noch Wochen vergehen, hieß es.

Der bpa in Sachsen-Anhalt sieht nun die Pflegekassen in der Pflicht. "Abgesehen von baulichen Schäden, die in die Millionen gehen dürften, haben die Pflegeheime und -dienste in Sachsen-Anhalt während des Hochwassers unter großer Kraftanstrengung für eine gute Versorgung der Patienten gesorgt", sagte Sabine Mrosek, Vorsitzende der bpa-Landesgruppe.

"Wir hoffen auf eine zeitnahe Unterstützung bei der Übernahme der Mehrkosten. EventuelleVerzögerungen bei der Auszahlung der erbrachten Leistungen würden die Unternehmen an den Rand der Existenznot bringen, Arbeitsplätze kosten und die benötigte Pflegequalität verhindern."

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