Ärzte Zeitung, 24.01.2014

Vor 50 Jahren Medizinstudent

Matrikelnummer Zwei berichtet

Die Uni in Lübeck hat viele Akademiker geschaffen. 1964 waren es 14 Studenten, heute sind es circa 3500. Was es heißt, einer der ersten Medizinstudenten dort gewesen zu sein, weiß Dr. Dietrich Schroeter.

Von Dirk Schnack

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Seine Immatrikulationsnummer ist die Zwei. Dietrich Schroeter gehört zu den Studenten der ersten Stunde an der Medizinischen Fakultät in Lübeck.

© Schnack

LÜBECK. Seit 50 Jahren gibt es Medizinstudenten in Lübeck. Zum Jubiläum sucht die Uni frühere Studierende. Für den ersten männlichen Studenten musste sie nicht lange suchen - der heute 73-jährige Dr. Dietrich Schroeter wohnt nicht weit von seiner früheren Ausbildungsstätte entfernt.

Auf dem Campus der heutigen Lübecker Universität erinnert nicht mehr viel an die Anfänge vor 50 Jahren. Ein ganzer Hochschulstadtteil ist um das Gelände herum entstanden und viele Gebäude sind erst in den vergangenen Jahren gebaut worden. Das Turmgebäude aber gab es schon zur Gründung.

Dr. Dietrich Schroeter kann sich gut daran erinnern, er hat hier viele Vorlesungen als Medizinstudent miterlebt. Schroeter ist Medizinstudent der ersten Stunde in Lübeck, mit der Immatrikulationsnummer zwei war er der erste männliche Student. Vor ihm schrieb sich nur Ulrike Söring ein.

Seitdem ist in Lübeck alles deutlich größer und anonymer geworden. 1964 waren es ganze 14 junge Männer und Frauen, die ihr Medizinstudium in der Hansestadt aufnahmen, inzwischen gibt es 3500 Studenten in acht Studiengängen in Lübeck.

Schroeter hatte zuvor die Vorklinik in Kiel absolviert, dies wurde in Lübeck erst in den siebziger Jahren möglich.

Jeder kannte jeden

Das Medizinstudium in der Hansestadt hat Schroeter in bester Erinnerung behalten. "Es gab wenige Räumlichkeiten und wir hatten wenig Material. Aber wir haben viel am Krankenbett gelernt und sehr viel Zuwendung erfahren", sagt Schroeter. Die 13 Professoren nahmen sich viel Zeit für die Studierenden.

"Jeder kannte jeden. Alle waren sagenhaft ambitioniert. So viel Kollegialität habe ich mein ganzes Berufsleben nicht wieder erlebt", erinnert sich der Arzt. Kehrseite der überschaubaren Gruppe: "Es fiel auf, wenn man nicht da war. Wir waren einfach zu wenig, als dass man mal fehlen konnte."

Die Ausbildung war nach Erfahrungen Schroeters sehr breit: "Das Rüstzeug war optimal. Wir haben eine Allround-Ausbildung erhalten." Schroeter engagierte sich unter anderem als Fachschaftssprecher, machte 1967 sein Examen. Ihm folgten zahlreiche Absolventen, die jetzt zu den Erinnerungen und zu einem Rückblick auf die 50 Jahre an der Uni beitragen könnten.

Schroeter blieb nach seiner Weiterbildungszeit in Lübeck, arbeitete dort 25 Jahre lang als niedergelassener Internist und lebt heute als Rentner in der Innenstadt. Medizinisch tätig ist er immer noch, als Arzt sucht er ehrenamtlich Menschen, die den Weg in Praxis oder Klinik scheuen, mit einem Gesundheitsmobil auf.

2010: Gefahr für den Studiengang

Schroeter hat auch miterlebt, wie die Medizinische Akademie immer größer wurde. Zwei Jahre nach seiner Immatrikulation gab es schon 300 Medizinstudenten in Lübeck. In den 70er Jahren wurde auch der vorklinische Abschnitt aufgebaut. In den 80er Jahren begannen die Planungen für das neue Zentralklinikum.

Aufregung herrschte in 2010, als die damalige Landesregierung über eine Schließung des Medizinstudienganges nachdachte, was wie berichtet am heftigen Widerstand der Lübecker scheiterte. Unter dem Motto "Lübeck kämpft für seine Uni" war zu spüren, dass der von Schroeter beschriebene Zusammenhalt noch vorhanden ist.

Die Uni wird das ganze Jahr über mit Veranstaltungen auf das Jubiläum aufmerksam machen, Höhepunkt wird eine Festwoche im November mit einem Festakt in der Universitätskirche St. Petri, einem Alumnitreffen und einer Galanacht in der Musik- und Kongresshalle.

Die Hochschule bittet Ehemalige, ihre persönlichen Erinnerungen an die Zeit der Akademie, Hochschule oder Universität mitzuteilen: Wie haben Sie ihre Studien- oder Berufszeit in Lübeck erlebt? Was war damals anders als heute? Welche Ereignisse und Vorkommnisse haben sich besonders eingeprägt?

Die Uni freut sich auch über dazu passende Fotos. Die persönlichen Rückblicke sollen - entsprechendes Einverständnis vorausgesetzt - über die Internetseite veröffentlicht werden, damit darüber Kontakte erneuert werden können.

Überblick über das Veranstaltungsprogramm bietet die Uni unter www.uni-luebeck.de/50jahre. Weiter zeigt die Seite die Entwicklung der Einrichtung von 1964 bis in die Gegenwart.

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