Ärzte Zeitung, 13.02.2014

Neue Arztserie

Chaos im Praxisalltag

Was braucht eine Arztserie im Comedyformat? Eine Reihe von Klischees, junge und sympathische Mediziner mit vielen Gegensätzen, eine Liebesgeschichte und viel Tempo: Mit dieser Grundausstattung schickt RTL eine neue ComedySerie auf die Bildschirme.

Von Rebecca Beerheide

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Unkonventionelle Behandlung: Ärztin Eva mit einer Patientin.

© RTL/Conny Klein

KÖLN. Adam und Eva, ein smarter Arzt mit Ecken und Kanten sowie eine gut aussehende Ärztin aus wohlhabender Familie, Radfahrer gegen Mercedesfahrerin: Mehr Klischees rund um zwei junge Ärzte, die in einer Allgemeinarztpraxis in Kreuzberg arbeiten, können nicht in eine TV-Serie gebracht werden.

Und doch, es gibt bei dieser RTL-Serie noch mehr Stereotype, die TV-Fließband-Schreiber für exakt 45 Minuten zusammen gezimmert haben: Eva (Julia Hartmann) erfüllt ihren Traum und eröffnet kurz nach ihrer Festanstellung in der Klinik ihre eigene Praxis.

Ihre Eltern, die sie im Villenviertel Grunewald aufzogen, kann sie damit nicht überzeugen: Sie haben sich für ihre Tochter nur eine Chefärztinnenposition vorgestellt, keine Praxis in Kreuzberg.

Als Mitstreiter stellt sie den Arzt Adam (Lucas Gregorowicz) ein, Frauenheld, Boxer, dessen Vater ihn alleine groß zog. Jemand, dem seine Glaubwürdigkeit auf der Straße bei den normalen Leuten wichtig ist. Er sei aber, "trotz allem ein guter Arzt", ist sie überzeugt.

Trotz allem? Stimmt - er raucht, trinkt, ist nicht immer ganz mit dem Ernst bei der Sache, hasst den weißen Arztkittel. Abgrundtief. Lieber im T-Shirt und Jeans in die Sprechstunde. Er zieht schon mal den Stecker, wenn sein Vater auf dem Ergometer sitzt. Sprüche wie "Papa, schau mal, du bist tot!" gehören zu seiner Anamnese.

Das findet der Vater nicht lustig - er will eigentlich "die blauen Pillen", denn es gibt eine neue Liebschaft in seinem Leben. Ernster wird es erst, als der PSA-Test des Vaters positiv ausfällt. Einige Sequenzen zuvor haben die Mediziner einer jungen Mutter in der Hausarztpraxis bei der Entbindung geholfen - die junge Frau verschwindet aber sofort.

Adam und Eva versorgen ihre Patienten in den nächsten Stunden einfach mit dem Baby auf dem Arm. Sie teilen sich ihren Arbeitsalltag - Eva und Adam haben auch beide den Deutschen Allerweltsnachnamen "Schmidt".

Das - unrealistische - Chaos in der Allgemeinarztpraxis ist Programm, begrüßt mit viel Witz und Tempo den abendlichen Zuschauer bei RTL. Der Sender aus Köln hat acht Folgen von "Dr. Schmidt - Chaos auf Rezept" in Auftrag gegeben, die nun jeden Donnerstag um 21.15 Uhr laufen.

Behandlungsfehler in der Klinik?

Die beliebte Arztserie "In aller Freundschaft", die dienstags ein ARD-Quotenhit ist, ist im Vergleich trist und wirkt alt gegen die jungen, neuen Schauspielergesichter. Auch der Bergdoktor, Arztserien-Quotenhit im ZDF am Donnerstagabend, kann gegen das Duo Schmidt nur mit Langsamkeit und Alpenpanorama punkten.

Und natürlich gehört in so eine Comedy-Arztserie auch eine Liebesgeschichte - der Schlawiner Adam flirtet heftig mit seiner Chefin Eva, die regelmäßig überfordert ist von seinen Avancen. Doch ganz kann auch sie es nicht abschlagen - sein Werben, seine coolen Sprüche und sein Auftreten bringen das gewisse Knistern in den Praxisalltag. Ob er bei ihr jemals ganz ohne Tricks landen wird?

Denn da ist noch ein weiterer junger, smarter Arzt im Spiel - Schönling Dr. Imre Bohm. "Kommt die Frau nicht zum Mann, muss der Mann halt zur Frau kommen" - so sein Serieneinstieg. Bei Eva bleiben die Offerten nicht ohne Wirkung. Auch Irme kommt aus gutem Hause, fährt Porsche, kauft Champagner im Feinkostladen.

Zwischen Irme und Adam steht nicht nur das Interesse an Eva - beide haben eine gemeinsame Vergangenheit: In der Klinik soll Adam einen tödlichen Behandlungsfehler verursacht haben und ist deshalb rausgeflogen - Irme war auch involviert, streitet aber einen Fehler seinerseits ab. Es steht Aussage gegen Aussage.

Nach acht Folgen dieser ersten Staffel der Comedyserie wird Irme Evas Herz erobern - bis dahin haben die beiden jungen Ärzte in ihrer Praxis ein strammes Arbeitsprogramm: Gebrochene Herzen, Möchte-Gern-Rapper aus dem Kiez, Edel-Escort-Damen lassen sich behandeln, Adam findet Spermien in Urinproben von Patientinnen oder Eva muss Rezepte für die Pille-danach an Adams One-Night-Stand-Eroberungen ausstellen.

Ganz normaler Praxiswahnsinn - ganz so, wie es sich TV-Comedy-Autoren eben vorstellen. Perfekt, um abends vor dem Fernseher zu entspannen - intellektuell gefordert wird der Zuschauer allerdings nicht.

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