Ärzte Zeitung App, 10.03.2014

Berlin

 Harte Zeiten für Kunstfreunde

Berlin hat hochkarätige Sammlungen moderner Kunst. Wegen mehrerer Renovierungen wird manches nun auf Jahre im Depot verschwinden.

BERLIN. Die Berliner Museen sind ein Touristenmagnet. Zusammen mit den Gedenkstätten locken sie jährlich fast 16 Millionen Menschen - und bringen gutes Geld in die Stadt. Vor allem den Freunden moderner Kunst stehen nun aber schlechte Zeiten bevor.

Nicht nur wird die Neue Nationalgalerie, die Ikone für Werke des 20. Jahrhunderts, von Ende 2014 an für eine mehrjährige Sanierung geschlossen. Diese Woche kündigte überraschend auch die Berlinische Galerie eine Zwangspause an.

"Das sieht so aus wie ein Komplettausfall der modernen Kunst, aber bei uns dauert es nicht lang", sagt Thomas Köhler als Direktor des Landesmuseums im Stadtteil Kreuzberg.

Bei einer Routineprüfung der Sprinkleranlage habe sich herausgestellt, dass der Brandschutz im Haus erneuert und modernisiert werden müsse. Voraussichtlich am 1. Juli soll es losgehen, zum 40. Jubiläum ist im März 2015 die Wiedereröffnung geplant.

Platzmangel in der Neuen Nationalgalerie

Noch gravierender sind die Ausfälle bei der Neuen Nationalgalerie. Die Sanierung des legendären Glastempels von Ludwig Mies van der Rohe durch den britischen Stararchitekten David Chipperfield soll drei bis vier Jahre dauern.

Schon jetzt kann aus Platzmangel nur ein Drittel der Bestände von Künstlern wie Munch, Kirchner, Picasso, Klee, Feininger, Dix und Kokoschka gezeigt werden. Der Rest schlummert im Depot.

"Derzeit planen wir, herausragende einzelne Sammlungsbestände des 20. Jahrhunderts während der Sanierungszeit sinnvoll in andere Häuser der Nationalgalerie zu integrieren", sagt Museumsdirektor Udo Kittelmann. "Darüber hinaus planen wir für die Zukunft, mit diesen Beständen Sonderausstellungen zu realisieren, beispielsweise einen Dialog mit Meisterwerken des Impressionismus und unserer hochkarätigen Expressionismus-Sammlung in der Alten Nationalgalerie."

Und noch ein drittes Kleinod der Moderne schwächelt. Am Museum Berggruen unweit von Schloss Charlottenburg musste im vergangenen Oktober der erst wenige Monate zuvor eröffnete Erweiterungsbau für ein Jahr wieder geschlossen werden - Schimmelbefall. Meisterwerke von Picasso, Matisse und Giacometti hängen so eng wie eh und je.

Umso dringlicher warten Kunstfreunde auf das neue Museum der Moderne, für das sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz im vergangenen Jahr ausgesprochen hat.

Es soll für 130 Millionen Euro auf einem Grundstück hinter der Neuen Nationalgalerie entstehen.und neben deren Schätzen auch die Sammlung Pietzsch aufnehmen, eine dem Land Berlin als Geschenk zugesagte Sammlung surrealistischer Kunst.

Auf zwei Zeitschienen denken

Die neue Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sorgte kürzlich für Aufsehen, als sie sich für einen eigentlich schon zu den Akten gelegten Alternativplan aussprach. Nach wie vor hält sie das ursprüngliche Konzept der Stiftung für sinnvoll, die Alten Meister aus der Gemäldegalerie am Potsdamer Platz langfristig mit den Skulpturen auf der Museumsinsel zusammenzuführen. Dieser Plan hatte vor zwei Jahren eine hitzige internationale Debatte ausgelöst.

Diese "Vision" spreche nicht gegen den geplanten Neubau hinter dem Mies-van-der-Rohe-Bau, betont ein Sprecher von Grütters auf Anfrage. "Das eine muss das andere nicht ausschließen. Man kann hier auf zwei Zeitschienen denken."

Im Klartext: Es könnte zuerst das schon lange geforderte Museum für die Kunst des 20. Jahrhundert geben, ohne dass der auf mindestens 375 Millionen Euro veranschlagte Umzug der Alten Meister auf die Museumsinsel vom Tisch wäre.Aber wann kann das angesichts der knappen Kassen Wirklichkeit werden? Das Wort hat jetzt zunächst der Bundestag.

Vor allem beim Museum der Moderne drängt die Zeit: Der inzwischen 83 Jahre alte Kunstsammler Heiner Pietzsch will noch zu Lebzeiten wissen, wo seine Sammlung einmal zu sehen sein wird. So lange behält er seine Lieblinge von Max Ernst und René Magritte, Joan Miró und Salvador Dalí, Frida Kahlo und Mark Rothko unter Verschluss.

Und wer nun auf die alte Kunst hofft: Im Pergamonmuseum, mit 1,3 Millionen Besuchern Hauptattraktion der Museumsinsel, wird wegen Renovierung ab Ende September das Herzstück des Hauses mit dem Pergamonaltar geschlossen. Dauer: fünf Jahre. (dpa)

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