Ärzte Zeitung, 31.03.2014

Internist Masaod Roohani

Aufbauhilfe für Afghanistan

OP-Säle ohne Lampen, Patienten kommen per Esel oder Schubkarre in die Klinik: Afghanistan anno 1994. Diese Zustände in seiner Heimat will Internist Masaod Roohani ändern - eine kleine Erfolgsgeschichte.

Von Pete Smith

Aufbauhilfe für Afghanistan

Bis 2008 mussten Schüler in Zelten lernen, die "Afghanistan Hilfe" hat für sie ein Schulgebäude errichtet.

© Afghanistan Hilfe e. V.

WIESBADEN. "Afghanistan hat sich in den vergangenen zehn Jahren enorm entwickelt", sagt der Wiesbadener Internist Masaod Roohani. Er sieht die Entwicklung in seiner alten Heimat trotz aller Missstände auf einem guten Weg.

"Eine Verfassung wurde ratifiziert, die Entwicklung im Bildungswesen und Ansätze einer freien Presse sind Hoffnungsschemen eines zukunftsorientierten politischen Wandels."

Ein Demokratiediskurs sei in den noch jungen Medien erkennbar, Kinder gingen flächendeckend zur Schule, "und als Folge einer dysbalancierten sozioökonomischen Entwicklung stößt man sogar auf das Phänomen der Akademiker-Arbeitslosigkeit in den Städten".

Masaod Roohani wurde 1952 in Herat, der mit etwa 300.000 Einwohnern drittgrößten Stadt Afghanistans, geboren, wo heute drei seiner Schwestern leben. 1973 kam er nach Deutschland, zunächst nach Heidelberg, um ein Jahr darauf in Bochum ein Medizinstudium aufzunehmen.

Seine Facharztausbildung für Innere Medizin absolvierte Roohani in einer Klinik in Gelsenkirchen. 1992 ließ er sich als Internist in Wenden im Kreis Olpe nieder, 2006 zog er mit seiner Familie nach Wiesbaden.

Elend und Chaos

Aufbauhilfe für Afghanistan

Masaod Roohani ist Vorsitzender des Vereins Afghanistan Hilfe.

© Privat

Schon während seines Studiums, sagt Roohani, sei er sozialpolitisch engagiert gewesen. Aus der Ferne erlebte er mit, wie seine Heimat im Laufe eines drei Jahrzehnte währenden Kriegs in Elend und Chaos versank. Nach dem Sturz des Königs wurde 1973 die Republik ausgerufen.

Fünf Jahre später übernahmen die Kommunisten die Macht, bevor 1979 sowjetische Truppen einmarschierten. Ihr Krieg gegen die von der NATO unterstützten Mudschaheddin dauerte zehn Jahre. Doch auch als die Sowjets 1989 abzogen, kam das Land nicht zur Ruhe.

Als die Taliban 1996 in Kabul ein Islamisches Emirat Afghanistan errichteten, begann eine Schreckensherrschaft, die erst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 endete, da ein Militärbündnis unter Führung der USA die Taliban verjagte und der heutige Präsident Hamid Karzai die Regierungsgeschäfte übernahm.

In der Gemeinde Wenden bot Masaod Roohani zu jener Zeit einen interkulturellen Dialog an, dem viele Bürger folgten. Eines Abends, Roohani war gerade von einer Reise nach Herat zurückgekehrt, präsentierte er ihnen Fotos und Dokumente, die den maroden Zustand der Krankenhäuser und Schulen in seiner ehemaligen Heimat bezeugten. Spontan entstand die Idee, eine dauerhafte Hilfe zu organisieren: die Geburtsstunde der Afghanistan Hilfe e. V.

"Als ich 1994 in Herat war, gab es nichts, keine Straßen, keine Elektrizität", erinnert sich Roohani. Durch die Kriege sei das Land so zerstört gewesen, dass die Chirurgen beispielsweise im größten Krankenhaus der Region am hellen Fenster operieren mussten, weil es noch nicht einmal OP-Lampen gab. "Damals wurden die Patienten mit Eseln und Schubkarren in die Klinik gebracht", so Roohani.

Schule wird gebaut

Zu den Erfolgen der Afghanistan Hilfe e. V. gehören die Eröffnung eines Gesundheitszentrums in einem eigens dafür errichteten und ausgestatteten Gebäude in der Region Kahdestan sowie die Unterstützung des größten Krankenhauses in Herat mit einer Lieferung von zehn Tonnen medizinischer Güter und Geräte sowie zwei Notarztwagen. "Ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Roohani.

Jüngstes Projekt ist der Bau einer Schule. "Noch bis 2008 waren 2500 Schüler auf dem Grundstück der alten Schule in Zelten auf unbefestigtem Boden untergebracht", erzählt der Wiesbadener Arzt. Möbel gab es ebenso wenig wie Materialien.

Das neue Gebäude birgt Platz für acht Klassen mit etwa 1000 Schülern, die in Schichten unterrichtet werden. Bei einem seiner letzten Besuche in Herat vereinbarte Roohani mit der Schulbehörde, das Schulgebäude aufzustocken, um allen Schülern ein Dach über dem Kopf zu bieten.

Dieses Projekt hat den Verein, dessen Arbeit in Folge von Roohanis Umzug 2006 nach Wiesbaden ruhte, wiederbelebt. Die meisten Helfer aus Wenden sind noch immer dabei.

40 Vereinsmitglieder

Heute zählt der Verein etwa 40 Mitglieder. Von den rund 40.000 Euro, die für die Erweiterung des Schulgebäudes veranschlagt werden, hat die Afghanistan Hilfe rund ein Drittel zusammen. Mit dem Bau kann jedoch erst begonnen werden, wenn die komplette Summe bereitsteht, dazu braucht der Verein eine breite Unterstützung.

Natürlich gebe es weiter Armut und Elend in Afghanistan, aber sein Land sei auf einem sehr guten Weg, so Roohani. Probleme machten vor allem die Sicherheitslage und die zunehmende Korruption.

"Die bevorstehenden Wahlen, die erfreulicherweise in der Anfangsphase des Wahlkampfes fair und respektvoll laufen, stellen einen Meilenstein in der weiteren Demokratisierung dar."

Allein dass heute Mädchen und Jungen gleichermaßen unterrichtet werden, sei ein großer Erfolg. "Wenn die Präsidentenwahl im April sauber abläuft", ist Roohani überzeugt, "hat Afghanistan beste Chancen, sich weiter friedlich zu entwickeln."

Weitere Informationen unter www.afghanistan-hilfe.com. Kontakt über Masaod Roohani, Telefon 0611-84727210, afghanistanhilfe@yahoo.de.

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