Ärzte Zeitung online, 02.04.2014

Fußball-Profis

Nach der Karriere kommt häufiger die Depression

Ehemalige Profifußballer sind offenbar gefährdeter für Depressionen und Angstzustände, als dies aktive Fußball-Profis sind. Das hat eine Befragung ergeben.

BERLIN. Profi-Fußballer leiden vermehrt unter Depressionen und Angstzuständen nach ihrer aktiven Karriere. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der weltweiten Spielergewerkschaft FIFPro in Auftrag gegebene Studie, die am Mittwoch auf der FIFPro-Homepage vorgestellt wurde.

"Von den Befragten haben mehr ehemalige Profis mentale Gesundheitsprobleme eingeräumt als aktive", sagte der für die Studie hauptverantwortliche Arzt, Dr. Vincent Gouttebarge.

Von den über 300 befragten Fußballern gaben 39 Prozent der Ex-Profis an, Depressionen und Angstzustände erdulden zu müssen. Dem gegenüber stehen 26 Prozent der für die Studie befragten aktiven Spieler. Die befragten Fußballer kamen aus den Niederlanden, Schottland, Irland, den USA, Australien und Neuseeland.

"Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung hat das Leben eines Profifußballers auch seine Schattenseiten", sagte Gouttebarge. Gerade die Phase nach dem Karriere-Ende sei eine kritische, erklärte der Mediziner: "Wir haben herausgefunden, dass mentale Krankheiten bei früheren Fußball-Profis häufiger auftreten als bei anderen untersuchten Bevölkerungsgruppen."

Thema Depression enttabuisieren

Das Leben der Profis und früheren Aktiven sei "übersät mit psychologischen Fallen", meinte Gouttebarge. Wenn die Spieler mit den intensiven physischen Aktivitäten aufhören würden, liefen sie Gefahr, ihr strukturiertes Leben zu verlieren.

"Die soziale Unterstützung durch Spieler und Trainer nimmt ab. Die Spieler müssen ihren Platz in der 'normalen' Gesellschaft neu finden", führte der Arzt aus. Das treffe nicht nur auf Ex-Profis zu, sondern auch aktive Spieler während einer längeren Verletzungspause.

Anhand der Angaben der Befragten zählte die Studie mehrere sogenannte Stressoren auf, die zu psychologischen Problemen führen können. Spiel- und Trainingspausen von mehr als vier Wochen würden genauso dazu gehören, wie Operationen, der Tod einen Familienmitgliedes und der soziale Umgang mit Trainern und Mitspielern.

Gouttebarge forderte nun alle Fußball-Interessensgruppen auf, Spieler auf diese Zusammenhänge hinzuweisen und zu zeigen, wie mit Symptomen von mentalen Krankheiten umzugehen ist.

Die Gewerkschaft FIFPro hoffe zudem, durch diese Studie das Thema Depressionen im Fußball weiter zu enttabuisieren. Die beiden früheren Nationalspieler Chris Jackson (Neuseeland) und Jonny Walker hatten sich bereiterklärt, dass ihre Namen in der Studie genannt werden dürfen.

Im deutschen Profifußball hatte vor allem der Fall des Nationaltorhüters Robert Enke das Thema Depressionen in die Öffentlichkeit gerückt. (dpa)

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