Ärzte Zeitung, 19.05.2014

Hamburg

UKE feiert 125. Geburtstag

Die Klinik gehört zum Selbstverständnis der Hamburger dazu wie Alster und Michel: Seit 125 Jahren werden im UKE Patienten versorgt.

Von Dirk Schnack

UKE feiert 125. Geburtstag

Aus dem Neuen Allgemeinen Krankenhaus (Aufnahme zwischen 1892 und 1901) wurde das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

© UKE

HAMBURG. Es gibt nicht viele Krankenhäuser, mit deren Kürzel bundesweit die Mehrheit der Menschen etwas anfangen kann. Das UKE ist eine Marke und gehört zu Hamburg - und das seit 125 Jahren. Am 19. Mai 1889 wurde es als Neues Allgemeines Krankenhaus Eppendorf eingeweiht.

Zum Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wie es inzwischen ausgeschrieben heißt, haben die Hamburger ein besonderes Verhältnis. Hier lassen sie sich operieren, hierher strömen jedes Jahr 70.000 Menschen in die Notaufnahme, wenn sie nachts und am Wochenende medizinische Hilfe brauchen.

Hier verpassen die Hamburger ihren Neugeborenen Strampler mit dem Aufdruck "Born in the UKE" und hier schauen sie stolz auf einen Neubau, der auch Jahre nach der Einweihung noch immer als einer der modernsten in Europa gilt.

Positive Wahrnehmung in Hamburg

UKE feiert 125. Geburtstag

Der Eingang des UKE im Sommer 2009.

© UKE

Das UKE ist aber auch der Ort des Hamburger Strahlenskandals, der Öffentlichkeit und Gerichte rund ein Jahrzehnt lang bewegte. Es ist der Ort, wo sich jedes Jahr Hunderte junge Menschen um einen Studienplatz für Medizin bewerben, sich umfangreichen Auswahlverfahren stellen und in der Mehrzahl abgewiesen werden.

Und es ist nicht zuletzt die Arbeitsstätte von rund 9400 Menschen, die hier nach Ansicht von Professor Christian Gerloff jeden Tag Großartiges leisten und es damit schaffen, dass das UKE heute insgesamt sehr positiv wahrgenommen wird.

Der stellvertretende Ärztliche Direktor und Vorsitzende des UKE-Vorstands gibt sich so selbstbewusst, wie es dem Jubilar nach Verständnis der UKE-Führung zusteht: Man wolle bei der weltweiten Entwicklung zu Exzellenzzentren ein gewichtiges Wort mitreden, sagt er. Das UKE habe sich in den vergangenen 20 Jahren neu erfunden, sagt Professor Uwe Koch-Gromus, Dekan und Vorstandsmitglied.

 Er verweist auf eine enge Verzahnung von Klinik, Forschung und Lehre und auf Drittmittel in Höhe von 69 Millionen Euro.

An all das war zur Gründung des Neuen Allgemeinen Krankenhauses (NAK) in Eppendorf im Jahr 1889 nicht zu denken. Ganze 1400 Patienten ließen sich hier im ersten Jahr von 25 Ärzten behandeln. Aber es war auch damals schon Vorbild für andere Kliniken.

Heinrich Curschmann ließ das NAK in innovativer Bauweise errichten - im Pavillon-Stil. Der entsprach der Vorstellung der damaligen Zeit, dass die Heilung von Krankheiten am ehesten durch Licht und Luft gefördert wird.

55 solcher Pavillons standen in einem parkähnlichen Gelände. Das Eppendorfer Krankenhaus blieb damit jahrzehntelang Vorbild für viele Krankenhausbauten in aller Welt.

Jüdische Hochschullehrer wurden von den Nazis entlassen

Ausgerechnet unter den Nationalsozialisten erhielt das Krankenhaus dann den Status eines Universitätskrankenhauses und offiziell den Namen Universitäts-Krankenhaus Eppendorf - und damit die Grundlage für das heute so bekannte Kürzel.

Jüdische Hochschullehrer wurden entlassen, "Rassenhygiene" durchdrang Forschung und ärztliche Ausbildung. Auf dieses Kapitel werden Besucher des UKE seit neuestem durch Stolpersteine hingewiesen, die auf zu Unrecht verfolgte Personen am UKE aufmerksam machen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Drittel der Bauten auf dem weitläufigen Gelände zerstört. Der Krankenbetrieb lief trotzdem weiter in über- und unteririschen Bunkern.

Nach dem Krieg der Neuaufbau. Es entstanden die Orthopädie, die HNO-Klinik und die Neurologie. Statt auf Pavillons setzte man zu dieser Zeit auf große Klinikgebäude mit Hörsaal, Bibliothek und Labor.

Nicht immer war das UKE auf der Höhe seiner Zeit, zumindest wirtschaftlich gab es einige Durststrecken. Und die Konkurrenz wuchs stetig, private und frei-gemeinnützige Klinikträger brachten das UKE in Zugzwang.

"Stadt in der Stadt"

Doch das UKE blieb immer Anlaufstelle für die Patienten, auch in der Umbauphase vor der Einweihung der zentralen Neubauten mit dem modernen Klinikum. Heute umfasst das UKE in 14 Zentren 80 Kliniken, Polikliniken und Institute.

Es ist nach eigener Einschätzung des UKE eine "Stadt in der Stadt", 34 Hektar groß. Allein die Notaufnahme ist zwölf Fußballfelder groß. Es gibt 16 OP-Säle und 1600 Betten.

In 125 Jahren hat es stetige Veränderungen erfahren und so wird es bleiben. Dieses Jahr wird die achte Bauphase mit der Errichtung des Gesundheitsparks Eppendorf mit Hotel und Gesundheitszentrum nach fünf Jahren abgeschlossen und die nächste Phase, beginnend mit dem Neubau der Kinderklinik, schließt sich unverzüglich an.

Die Hamburger werden diese Veränderungen annehmen. Die Krankenversorgung in der Hansestadt ist ohne das UKE schon längst nicht mehr vorstellbar.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

"Fehler passieren, auch in der Medizin. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten durch einen Behandlungsfehler zu Schaden kommen, ist extrem gering." So lautete das Fazit von Dr. Andreas Crusius bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik. mehr »

Naturvolk mit erstaunlich gesunden Gefäßen

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »