Ärzte Zeitung online, 20.05.2014

USA

Keine Impfhelfer mehr als Spione

Die USA haben 2011 eine Impfaktion in Pakistan vorgetäuscht, um das Versteck von Osama bin Laden aufzuspüren. Seither sind die Pakistaner sehr misstrauisch gegenüber Impfaktionen. Jetzt haben die USA laut Medienberichten angekündigt, keine Täuschungsmanöver derart mehr zu unternehmen.

Keine Impfhelfer mehr als Spione

Um auf die Spur von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zu kommen täuschten die USA eine Impfaktion vor.

© dpa

WASHINGTON. Die USA wollen Impfaktionen im Ausland nie wieder zur Aufklärung einsetzen. Dies berichtete die "Washington Post" (Dienstagsausgabe) unter Berufung auf das Weiße Haus.

Die Antiterror-Beraterin von US-Präsident Barack Obama, Lisa Monaco, habe dies in einem Brief an die Vorsitzenden von zwölf führenden US-Gesundheitsinstituten klargemacht, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses dem Blatt.

Die Experten hatten eine vorgetäuschte Impfaktion kritisiert, mit deren Hilfe der US-Geheimdienst CIA vor drei Jahren die Familie des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden in deren Versteck im nordpakistanischen Abbottabad aufgespürt hatte.

Die US-Akademiker hatten im Januar 2013 in einem Brief an US-Präsident Barack Obama geschrieben, die Aktion habe ernsthafte Auswirkungen auf die internationale Zusammenarbeit im Gesundheitswesen gehabt. Unter anderem sei es nun zunehmend schwer, pakistanische Kinder gegen Polio zu impfen.

Pakistaner seien sehr misstrauisch geworden, viele Eltern lehnten nun Impfungen ab. Auf die Frage, warum das Weiße Haus erst 16 Monate später auf den Brief reagiere, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter der Zeitung, die Regierung kommentiere sehr selten ihre Aufklärungsarbeit. (dpa)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Bärendienst für Poliohelfer

[21.05.2014, 13:14:39]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
USA: Hässliche Variante "biologischer Kriegsführung"!
Da "bereicherte" das angeblich "freieste Land der Welt" ("Freedom and Democracy"), die Vereinigten Staaten von Amerika, die abstruse Welt der ABC-Kriegswaffenführung um eine neue Variante der "biologischen Kriegsführung". Besonders perfide: Impfhelfer, die sich in vermeintlich humanitär-karitativ-präventivem Auftrag unters Volk mischen und unauffällig umherziehen können, sind in Wahrheit verdeckte Ermittler, Kombattanten, Spione und missbrauchen den Schutz von N i c h t-Kombattanten nach der Genfer-UN-Konvention.

Noch schlimmer: Militärische US-Geheimdienst-Operationen tragen aktiv dazu bei, dass in Pakistan, Afghanistan und den Nachbarländern bzw. auch in Nigeria und Zentralafrika weiter Polio-Endemien über Kinder und Erwachsene wüten können und m e h r Menschen als bisher sterben müssen. Länder mit einem Poliomyelitis epidemica Erregerreservoir gefährden aus infektionsepidemiologischer Sicht aber auch Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer, in denen die Polio-Schutzimpfung aktuell nur lückenhaft und n i c h t flächendeckend umgesetzt wurde. Damit könnten letzten Endes auch die USA s e l b s t belastet werden.

Am stärksten von Polio-Neuerkrankungen werden allerdings die weniger USA-freundlichen Entwicklungs- und Schwellenländern betroffen sein, wo Prävalenz und Inzidenz der Poliomyelitis am höchsten sind: Bei gleichzeitig weniger entwickelten medizinischen Versorgungs- und Infrastrukturen und dem zusätzlich neu implementierten, generellen Misstrauen gegenüber Poliomyelitis Erst- und Auffrischungsimpfungs-Programmen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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[21.05.2014, 11:05:19]
Dr. Klaus Weiner 
Unglaublicher Zynismus
Einem Land,das den Anspruch erhebt,Menschenrechte in den Rest der Welt tragen zu müssen,ist kein Mittel schlecht genug,eigene Interessen rücksichtslosest zu verfolgen.Welch ein Zynismus.Da hilft die fadenscheinige Beteuerung,man werde die dies nicht wieder tun,auch nicht weiter.Man kann nur traurig sein. zum Beitrag »

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