Ärzte Zeitung App, 21.08.2014

ALS-Forschung

Promis duschen eiskalt - für die Medizin

Ein Trend schwappt nach Deutschland: Promis duschen mit Eiswasser und stellen ein Video davon ins Netz. Auch die Kanzlerin soll nun mitmachen - für den guten Zweck. Was steckt dahinter?

Von Caroline Bock

BERLIN. Die Kennedys haben es gemacht. Sogar die 86 Jahre alte Großmutter Ethel ließ sich in der Sommerfrische einen Eimer Eiswasser über den Kopf kippen. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat es hinter sich, Bill Gates, Justin Timberlake, Oprah Winfrey und Lady Gaga.

Seit Tagen rauschen Videos der "Ice Bucket Challenge", der Eiseimer-Herausforderung, durch das Internet und um die Welt. Jetzt schwappt der Trend aus den USA nach Deutschland. Gerade hat Ex-Handballer Stefan Kretzschmar die Kanzlerin ins Spiel gebracht. Was steckt dahinter?

Das Prinzip: Vor laufender Kamera schütten sich die Teilnehmer einen Eimer Eiswasser über den Kopf und stellen dann das Video ins Internet.

Vorher nominieren sie drei Kandidaten, ebenfalls mitzumachen oder für den guten Zweck zu spenden. Die Aktion soll auf die seltene Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen. Auch wer die Dusche gemeistert hat, darf gerne spenden.

Lisicki nominiert Pocher

Früher hefteten sich die Leute Schleifen als Zeichen an die Jacke, zum Beispiel rote im Kampf gegen Aids. Das Internetvideo ist die moderne Variante, die der Krankheit und den Prominenten Schlagzeilen bringt.

Tennisprofi Sabine Lisicki ließ sich von zwei Helfern nass machen und kreischte dann unter dem eisigen Schwall. Vorher nominierte die 24-Jährige mit den Worten "Sorry, Darling" ihren Freund Oliver Pocher. Der brachte die Aktion an einer Tankstelle mit Eiswürfeln aus der Truhe hinter sich.

Handballer Kretzschmar goss sich selbst einen Kübel Wasser über den tätowierten Körper. Bundestrainer Jogi Löw nominierte er, "weil ich die WM-Frisur nochmal wiedersehen will". Angela Merkel wählte der Sportler aus, weil in den USA der Basketballer LeBron James den Präsidenten herausgefordert hatte.

Barack Obama machte bei der Aktion nicht mit. Er wollte lieber spenden, wie er US-Medien wissen ließ, als ihn auch Ethel Kennedy nominiert hatte.

Neymar übt Rache

Manchmal dient die "Ice Bucket Challenge" auch der süßen Rache: Brasiliens Fußball-Star Neymar nominierte nach seiner eigenen Prüfung Juan Camilo Zúñiga - den Kolumbianer, der ihn im WM-Viertelfinale für den Rest des Turniers mit einem harten Einsteigen außer Gefecht setzte. Der fackelte nicht lange und ließ sich ebenfalls überschütten.

Die amerikanische ALS-Organisation schreibt dem erkrankten Ex-Baseballspieler Pete Frates zu, dass die Aktion zum Social-Media-Hit wurde - und freut sich inzwischen über rasant steigende Spenden. Immer mehr Menschen erfahren so, dass ALS, in den USA auch als Lou-Gehrig-Syndrom bekannt, tödlich ist und dass die Krankheit zu Nervenzerstörungen und Muskellähmungen führt.

Der Maler Jörg Immendorff starb daran. Der Physiker Stephen Hawking lebt dank einer künstlichen Beatmung seit Jahrzehnten mit der Krankheit, wie der Berliner Mediziner Thomas Meyer erläutert. Der Patient muss sich bei ALS darauf einstellen, im gelähmten Körper eingeschlossen zu sein.

Der Neurologe Meyer leitet die ALS-Ambulanz an der Charité. Deren Mitarbeiter würden überwiegend durch Spenden finanziert. "Was allerdings fehlt, ist eine öffentliche Förderung der ALS-Therapieforschung", sagt Meyer.

Die Eiswasser-Aktion findet der Mediziner "genial". Es gebe bereits erste Spenden, die die Ambulanz erreichten. Und wer wird nun als nächster vor der Kamera nass? Meyer ist absolut sicher, dass die Aktion nicht vorbei ist und weitere deutsche Prominente folgen werden: "Wir arbeiten daran."

Weitere Videos der "IceBucket Chalange" auch unter dpaq.de/PzVJT; die Amerikanische ALS-Organisation zur Aktion "Ice Bucket Challenge": www.alsa.org; die "Ice Bucket Challenge" auf Twitter: dpaq.de/FApAI

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