Ärzte Zeitung App, 16.09.2014

Jugendliche

Ausstieg aus der digitalen Welt?

KÖLN. Unter Jugendlichen formiert sich nach Erkenntnissen eines Wissenschaftlers eine "Avantgarde von digitalen Aussteigern".

Diese Gegenbewegung feiere geradezu alles Analoge wie persönliche Freundschaften, Naturerlebnisse, Handwerkerarbeiten und selber Kochen, sagte der Jugendkulturforscher Philipp Ikrath am Rande des Kinderschutzforums in Köln der Nachrichtenagentur dpa.

"Ich glaube, dass diese totale Umarmung des Digitalen, die man den Jungen heute immer so unterstellt, eine falsche Diagnose ist, weil das auf der anderen Seite eben auch Gegenbewegungen erzeugt", erläuterte der 1980 in Wien geborene Ikrath, wissenschaftlicher Leiter des Instituts Jugendkulturforschung in Hamburg. "Hier wird ganz bewusst eine analoge Parallelsphäre geschaffen."

Zu beobachten sei zum Beispiel das Phänomen des "Defriending" bei Facebook: "Das sind Leute, die ihre Facebook-Freundesliste von allen Leuten bereinigen, die nicht ihre wirklichen Freunde sind. Es gibt auch den sogenannten digitalen Selbstmord. Das sind Leute, die aus den sozialen Netzwerken aussteigen, weil ihnen das über den Kopf wächst."

Der Trend, der unter anderem in Untersuchungen in den USA dokumentiert worden sei, lasse sich zu einem Teil mit negativen Erfahrungen im Elternhaus erklären: Viele Eltern seien selbst ständig mit Laptop, Tablet und Smartphone zugange und hätten dadurch nur wenig Zeit für ihre Kinder. Ikrath glaubt, dass die heute 15- oder 16-Jährigen deshalb später als Erwachsene eine differenziertere Haltung dazu haben werden. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »