Ärzte Zeitung, 06.02.2015

Wiener Ärzteball

Atemlos durch die Nacht

Ich tanze mit dir in den Himmel hinein, sang einst Peter Alexander. Wo könnte das wohl besser gelingen als beim 65. Wiener Ärzteball?

Von Christoph Fuhr

Atemlos durch die Nacht

Im Festsaal geht die Post ab.

© Illian/Fuhr

WIEN. Willkommen in Wien, willkommen beim Ärzteball 2015. Alle Jahre wieder am letzten Samstag im Januar geht der Vorhang auf, es darf getanzt werden!

Schauplatz ist seit 1963 die Wiener Hofburg - ein gigantischer Gebäudekomplex, der über mehrere Jahrhunderte das Zentrum des Habsburgerreiches gewesen ist und in dem heute der Bundespräsident seinen Sitz hat.

Hier pilgern Tag für Tag Touristen auf den Spuren des österreichischen Herrscherpaars Kaiser Franz Joseph und seiner im Volksmund Sissi genannten Gattin Elisabeth.

Hier erfahren Besucher im "Sisi Museum", wie aus dem unbeschwerten Mädchen eine rastlose, unnahbare und schwermütige Frau wurde.

Bei allem Respekt vor der Kaisergattin: Ihre seelischen Verwerfungen sind beim Wiener Ärzteball von untergeordneter Bedeutung. Frohsinn ist angesagt, wer hier keinen Spaß hat, der ist selbst schuld.

Übung macht den Meister

Der Weg zum Ball 2016

Der 66. Ärzteball findet am 30. Januar 2016 in Wien statt.

Die historischen Räume in der Wiener Hofburg werden erneut der Schauplatz sein.

„Ärzteball-News“ ist ein Newsletter mit Infos zum Ball, der per Mail bestellt werden kann: aerzteball@aekwien.at

Fanfarenklänge ertönen, das Jungdamen- und Herrenkomitee marschiert ein. Debütantinnen, ganz in weiß, mit ihren Partnern, mehr als 60 Paare, ein grandioser Auftakt, viele Kinder von Ärzten machen mit.

"Wir haben fleißig geübt", berichtet hinterher Debütantin Sabrina (18).

Wer den Walzer nicht sauber hinbekommt, der übersteht das Vortanzen nicht. Die Hand, zwei, drei, verbeugen, zwei, drei - Übung macht den Meister. Sabrina will weiter trainieren, die Ballsaison ist noch nicht vorbei.

Seit seiner 60. Neuauflage vor fünf Jahren wurde der Ärzteball in die nationale österreichische Liste des "immateriellen Kulturerbes" eingetragen.

Als einer der vornehmsten Bälle in Wien ist er immer ein Treffen von Größen aus Medizin, Politik, Wirtschaft und Sozialversicherung gewesen, und das soll auch an diesem Abend nicht anders sein.

Die dänische Botschafterin wird begrüßt, Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser von der SPÖ ist gekommen, der Landwirtschaftsminister und etliche Mandatsträger aus Parlamenten der Alpenrepublik.

Auch Ärztevertreter aus dem Ausland geben sich die Ehre, so der Kammerpräsident aus Ungarn und Sachsens Kammerchef Professor Jan Schulze, der die deutschen Farben vertritt.

An die 3000 Gäste sind angemeldet, darunter 600 Besucher aus Deutschland, der Ball ist grenzüberschreitend populär.

"Zu unseren Gästen zählen nicht nur Ärzte, sondern auch Vertreter anderer Berufsgruppen", sagt Kinderärztin Dr. Isabella Clara Heissenberger, die für die Ärztekammer Wien mit der Leitung des Events betraut ist. Ein ganzer Stab an Mitarbeitern hilft.

"Die Vorbereitungen laufen das ganze Jahr über, und nach dem Ball ist vor dem nächsten Ball", sagt die Ärztin, die auch Vorstandsmitglied der Kammer Wien ist.

Bühne frei: Die Honoratoren marschieren ein. Den Ehrenschutz - also die Schirmherrschaft - hat der Rektor der Medizinischen Universität Wien, Professor Wolfgang Schütz, übernommen.

Zum Ehrenpräsidium gehören die Magnifizienzen, Vorsitzenden der Senate und die Spektabilitäten der Wiener Universitäten - Titel, die bei dem ein oder anderen Gast aus Deutschland für leichte Irritationen sorgen mögen.

Aber das macht nichts: Spektabilitäten hin oder her - auf der Tanzfläche sind alle Gäste gleich.

"Sie werden am Ball bleiben!"

Atemlos durch die Nacht

Der Ballauftakt gehört dem Jungdamen- und Herrenkomitee.

© Illian/Fuhr

Den Ärzteball gibt es seit 1949, "er ist längst zu einer etablierten Institution in der Wiener Ballsaison geworden", sagt Rektor Schütz in seiner Begrüßungsrede.

Vor genau 650 Jahren ist die Uni Wien gegründet worden - mit der Medizin als einer von vier eigenständigen Fakultäten. Zugleich geht die Medizinische Hochschule ins elfte Jahr ihres Bestehens.

Es gibt also einen doppelten Grund zu feiern, stellt Schütz klar und fordert die Gäste auf, "trotz schwerer Zeiten" Veranstaltungen wie dieser die Treue zu halten. Er gibt sich optimistisch: "Sie werden am Ball bleiben!"

Hunderte von Bällen gibt es während der Karnevalszeit in Wien - mit mehr oder weniger großer Reputation. Ein politisch höchst umstrittenes Fest ist bereits einen Abend vor dem Ärzteball über die Bühne gegangen.

Das war der Akademikerball, seit Jahren auch Anziehungspunkt für rechtsgerichtete Burschenschaftler. Mehr als 50 Demonstranten sind festgenommen worden, Krawalle sind im Umfeld dieser Veranstaltung an der Tagesordnung.

Mit dem Ball der Ärzte allerdings hat die Skandalfeier nichts zu tun.

Strikter Dresscode

Wer darf mit dabei sein, wenn die Wiener Ärzte feiern? Die Entscheidung fällt am Eingang. Das Ticket allein genügt nicht, die Vorgaben sind präzise formuliert: "Bitte beachten Sie, dass der traditionelle Ball eine strikte Kleidervorschrift hat", heißt es.

"Damen bekommen ausschließlich im bodenlangen Abendkleid Einlass. Herren nur im schwarzen Frack mit Dekoration, im schwarzen Smoking, in einer Gala-Uniform oder in Ausnahmefällen im schwarzen Anzug mit Fliege."

Wer sich nicht an die Vorschrift hält, kann sich irgendwo anders in der Donaumetropole einen schönen Abend machen, aber nicht in der Hofburg. Zumindest für Männer findet sich allerdings ein Ausweg.

Im Eingangsbereich gibt‘s ein kleines Verkaufssortiment mit Fliegen. Ist das Kleid der Partnerin zu kurz geschnitten, nutzt allerdings auch die gekaufte Fliege nichts mehr.

Ein Hauch von Monarchie schwebt über den festlich geschmückten Ballsälen. Es riecht nach Blumen. Rosengestecke, wohin das Auge blickt. "Für dieses Meer an Blumen ist der Ärzteball bekannt", sagt Dr. Heissenberger.

"Und wir haben Jahr für Jahr den Ehrgeiz, hier Standards zu setzen."

Es darf getanzt werden. Und das in mehreren Ballsälen gleichzeitig. Kleider wie im Bilderbuch werden präsentiert, Träume in allen Farben des Regenbogens. Es finden sich Paare auf dem Parkett, die den Walzer in unterschiedlicher Qualität präsentieren.

Die einen galant schwebend, andere dezent-abgeklärt, einige wenige reichlich bemüht, wie einst in der Tanzstunde. "Wiener Blut" und "Geschichten aus dem Wienerwald" spielt das Orchester, das ist Musik, die die Herzen öffnet.

"Wir waren schon achtmal dabei, auf diesen Ball freue ich mich das ganze Jahr über", sagt eine Arztgattin aus der Steiermark und eilt mit ihrem Mann zurück zur Tanzfläche.

Bei allem Vergnügen: Der Charity-Gedanke darf an diesem Abend nicht fehlen. Ein Casino wurde eingerichtet, in dem tolle Preise ausgespielt werden.

Der Reinerlös kommt diesmal der Aktion "Licht für die Welt" zugute, einem Verein, der sich für blinde und von Behinderung bedrohte Menschen in den Armutsgebieten der Erde einsetzt.

Ballgäste und Debütanten flanieren über die Gänge, Musiker, Tänzer und Kellner machen konzentriert ihre Arbeit, aufmerksame Sanitäter sind jederzeit einsatzbereit, haben aber bei diesem Ball weniger Stress als gewohnt.

Als an einem der vielen Stehtische eine Dame kollabiert, wird sie Sekunden später von Ärztinnen und Ärzten versorgt, die zufällig in der Nähe stehen. Wo könnte medizinische Erstversorgung wohl besser funktionieren als hier in der Hofburg, beim Ärzteball 2015?

Italo-Pop und Schrammelmusik

Jazz, Rock, Italo-Pop, Latin oder Schrammelmusik - wer hier nicht das passende Musikangebot in einem der vielen Ballsäle findet, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die Disco ist an diesem Abend der einzige Tanzbereich, in dem es keine Livemusik gibt. Doch das tut der Stimmung keinen Abbruch. Es dröhnen die Bässe, es ist heiß wie in der Sauna, die Tanzfläche proppenvoll, die Post geht ab.

Helene Fischers seit mehr als einem Jahr in allen Radiostationen rauf und runter gespielter Ohrwurm reißt auch Ballgäste mit Konditionsproblemen von den Sitzen: "Atemlos durch die Nacht, bis ein neuer Tag erwacht!" - eine Botschaft wie bestellt für den Ärzteball.

The show must go on, auf Wiedersehen bei der 66. Neuauflage dieses grandiosen Events am 30. Januar 2016 in der Hofburg in Wien!

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