Ärzte Zeitung, 15.09.2015

Uganda

Miss und Mister HIV gesucht

In Uganda leben geschätzt etwa 1,5 Millionen Menschen mit HIV. Viele der Infizierten kämpfen gegen Vorurteile. Dagegen wollen junge Ugander nun angehen: mit einem Schönheitswettbewerb.

KAMPALA. Die 31 jungen Männer und Frauen präsentieren sich auf dem Laufsteg in einem sonnendurchfluteten Wellblechgebäude in Kampala. Sie lächeln und posieren vor dem ebenfalls vorwiegend jungen Publikum.

Manche bewegen sich wie Profis, für andere ist der Laufsteg Neuland. Dies könnte irgendein Schönheitswettbewerb sein - doch die Bewerberinnen und Bewerber für Ugandas "Miss Y+" und "Mister Y+" haben eines gemeinsam: Sie sind alle HIV-positiv. Y+ steht für "youth positive" (deutsch: "Jugend positiv").

Kandidaten im Alter von 16 bis 25

Am 18. September sollen in einem Hotel in der Hauptstadt Kampala unter den 20 Finalisten der regionalen Vorausscheidungen die Sieger gekürt werden.

"Ich habe den Aids-Erreger seit meiner Geburt", sagt Robina Babirye, eine der Teilnehmerinnen. "Es war nicht einfach, das zu überwinden."

Die drei Frauen in der Jury dieser Vorausscheidung befragen die Kandidaten im Alter von 16 bis 25, was sie in ihrem Leben in Zukunft erreichen wollen. Und auch, wie sie verhindern wollen, dass sich andere Menschen mit dem Virus anstecken, das sie in sich tragen.

Sadam Kyeyune, der "Mister Y+" werden möchte, ist einfach nur froh, dass er bis jetzt überlebt hat. Er habe seine Eltern an Aids verloren, als er fünf war, erzählt er.

"Wir erleben jeden Tag Diskriminierung", sagt die Teilnehmerin Irene Nabunya. "Einige zeigen es offen, andere verstecken es."

Moses Bwire von der Aidshilfe-Organisation UNYPA, dem Veranstalter, sagt: "Bei dem Schönheitswettbewerb geht es nicht ums Aussehen, sondern um Persönlichkeiten, die gegen das Stigma ankämpfen können."

Die Gewinner sollen Veränderungen in der Gesellschaft vorantreiben und im Kampf gegen Diskriminierung vorangehen, wünscht er sich. Ziel ist es, die Ausbreitung von HIV einzudämmen.

Seit 2014 gibt es den Wettbewerb, das Vorbild war eine ähnliche Kampagne in Botsuana, einem der Länder mit den höchsten HIV-Infektionsraten im südlichen Afrika. Auch in Uganda waren in den 1990er Jahren mehr als zehn Prozent der Bevölkerung infiziert.

Erfolgreiche Präventionskampagne

Dank einer Kampagne, die für die Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr warb, sanken die Infektionszahlen. Ein von ausländischen Spenden finanziertes Programm, bei dem etwa 700 000 Patienten Medikamente erhalten, half, die Zahl der Aids-Toten zu senken.

Dennoch leben nach Angaben der UN-Behörde UNAIDS etwa sieben Prozent der Bevölkerung im Alter von 15 bis 49 Jahren mit dem HI-Virus.

Im Jahr 2014 infizierten sich etwa 137 000 Menschen neu mit HIV, so das Gesundheitsministerium. Etwa die Hälfte davon waren jünger als 25.

"Menschen in dieser Altersgruppe sind draufgängerisch und waghalsig und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie leichtsinnig Sex haben", sagt Musa Bungudu von UNAIDS.

Beim Vorfinale in Kampala ist die Entscheidung gefallen: Die Gewinner sind Robina Babirye und Mark Tuhaise. Beide sind 22. Als sie ihren Namen hört, bricht Robina in Tränen aus.

Sie hatte Wertungsrichter und Publikum besonders mit ihren offenen Worten zum Stigma HIV beeindruckt: "Die Leute haben mich verhöhnt." Sie hätten gesagt, sie könne wegen ihrer HIV-Infektion nichts erreichen. "Nun will ich für jene sprechen, die Aids haben."

Viele junge Frauen betroffen

In den 90er-Jahren war Uganda noch ein oft zitiertes Vorbild in Sachen Schutz vor HIV und AIDS. Doch nun steigt die Rate der Neuinfektionen in dem afrikanischen Land wieder deutlich. Alle dreieinhalb Minuten steckt sich ein Mensch mit dem HI-Virus an.

Nach Informationen von Unicef sind im südlichen und östlichen Afrika überproportional viele Mädchen und junge Frauen HIV-infiziert.

Danach sind von 2,7 Millionen Menschen im Alter von 15-24 Jahren, die in dieser Region mit HIV leben, Frauen. Viele dieser jungen Frauen sind von deutlich älteren Männern infiziert worden, denen ihre Infektion bekannt ist, so Unicef, (dpa/eb)

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