Ärzte Zeitung online, 12.11.2015

Studie Jugendsexualität

Immer mehr Teenies denken ans Verhüten

Deutlich mehr Jugendliche als früher denken beim ersten Sex daran, zu verhüten. Das geht aus der Studie "Jugendsexualität 2015" hervor, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vorgestellt worden ist.

Von Gisela Gross

Immer mehr Teenies denken ans Verhüten

Mit 17 haben die meisten Jugendlichen in Deutschland bereits sexuelle Erfahrungen gesammelt.

© jupiterimages / Thinkstock

BERLIN. Beim ersten Sex denken immer mehr deutsche Jugendliche ans Verhüten. Lediglich acht Prozent der Mädchen und sechs Prozent der Jungen zwischen 14 und 17 trafen keine Vorkehrungen, wie aus der Studie "Jugendsexualität 2015" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervorgeht. Erste Ergebnisse sind am Donnerstag in Berlin vorgestellt worden.

Bei Erhebungen aus dem Jahr 1980 hatten sich laut BZgA noch 29 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen keine Gedanken um Kondom, Pille oder andere Verhütungsmittel gemacht. Die Leiterin der Bundeszentrale, Heidrun Thaiss; wertete die Veränderung als "beachtlichen Erfolg".

Für die aktuelle Studie wurden bundesweit 5750 Interviews geführt, vor allem mit 14- bis 17-Jährigen. Zu den Themen Sex, Aufklärung und Verhütung befragt die BZgA seit 1980 vorrangig Jugendliche, seit 2005 auch Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Sexuelle Erfahrungen sind bei deutschen 14-Jährigen der Studie zufolge eine Ausnahme. Insgesamt sei die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen nicht früher sexuell aktiv als in den vergangenen Jahren, sagte Thaiss. "Bis 2005 haben sich die sexuellen Aktivitäten nach vorne verschoben." Inzwischen sei der Trend aber gestoppt, wenn nicht rückläufig. Ein "Wertewandel" könne der Grund sein.

Mädchen sind früher aktiv

Mit 17 hat demnach mehr als die Hälfte der Jugendlichen bereits Erfahrung mit Sex. Dabei sind insgesamt betrachtet Mädchen früher aktiv als Jungen. Außerdem machen deutschstämmige Jugendliche in fast allen Altersgruppen früher erste Erfahrungen als Altersgenossen mit ausländischen Wurzeln.

Bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist ein deutlicher Anstieg der Verhütung zu beobachten: Verzichtete in dieser Gruppe 2005 noch rund ein Drittel der Jungen auf Verhütung, so war es nun nur noch ein Zehntel. Bei den Mädchen sank der Anteil von knapp 20 Prozent auf 2 Prozent. Die gesamte Studie wird im kommenden Jahr veröffentlicht.

Zuhause oft tabuisiert

Aufgeklärt wird in deutschen Haushalten insbesondere von den Eltern, sagte Thaiss. Aber auch in der Schule begegnet fast jeder Jugendliche dem Thema Sex. Gerade für Jungen und für die Kinder muslimischer Eltern, die das Thema zu Hause eher tabuisieren, seien auch Lehrer wichtige Ansprechpartner.

Dass das Thema Verhütung auch in der Schule thematisiert wird, könnte ein Grund für die seit Jahren rückläufige Zahl minderjähriger Mütter sein: Hatten 2010 noch knapp 4600 Kinder eine Mutter unter 18 Jahren, waren es laut Statistischem Bundesamt 2013 nur noch rund 4110 — bei insgesamt steigender Zahl der Geburten.

Eine Mehrheit der Jugendlichen hat bereits Erfahrung mit pornografischen Filmen gemacht: Zwischen 60 und 80 Prozent der Jugendlichen ab 13 Jahren haben der EU-Initiative Klicksafe zufolge schon einmal einen entsprechenden Film gesehen, die wenigsten gucken aber regelmäßig.

Aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Jahr 2014 geht außerdem hervor, dass bei Menschen zwischen 15 und 19 Jahren seltener als bei älteren eine HIV-Neudiagnose gestellt wird. Der Gebrauch von Kondomen lässt laut BZgA trotz zunehmender hormoneller Verhütung nicht nach. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »