Ärzte Zeitung, 24.11.2015

Nach schweren Verbrennungen

Ein neues Gesicht für den Feuerwehrmann

Er rettete eine Frau aus einem brennenden Haus und erlitt schwerste Verbrennungen. Nun verpflanzten Ärzte dem Feuerwehrmann in den USA in einer 26-stündigen Op ein Spendergesicht.

Von Simone Humml

Ein neues Gesicht für den Feuerwehrmann

Vorher, nachher: Bei der Präsentation der Ergebnisse der geglückten Gesichtstransplantation können sich alle vom Erfolg der Op überzeugen.

© EPA/PETER FOLEY

NEW YORK. Ein im Einsatz schwer entstellter Feuerwehrmann hat in den USA eine der bislang umfangreichsten Gesichtstransplantationen erhalten. 26 Stunden lang operierten insgesamt 100 Spezialisten den 41-jährigen Patrick Hardison.

Sie gaben ihm ein Gesicht, die obere Schädelhaut, beide Ohren, Wangen- und Kinnknochen sowie eine Nase, wie das Langone Medical Center der New York University am Montag (Ortszeit) mitteilte.

Als freiwilliger Feuermann sei Hardison im Alter von 27 Jahren in ein Haus gerannt, um eine Frau zu retten, als das Dach einstürzte, berichtete der Sender NBC. Er erlitt nach Klinikangaben starke Verbrennungen im Gesicht, am Hals und am gesamten Oberkörper.

Er verlor seine Augenlider, Ohren, Lippen, den größten Teil der Nase und seine Haare.

Mehr gegeben als ein Gesicht

Es folgten über 70 Operationen, bevor er auf den Transplantationsexperten Eduardo Rodriguez traf. Nach über einem Jahr Vorbereitung wagte dessen Team die Operation am 14. August. Drei Monate danach gehe es Patrick Hardison gut, auch wenn er noch daran arbeite, seine Kraft und Sprachfähigkeit zu verbessern, teilte die Klinik mit.

"Ich bin meinem Spender und seiner Familie zutiefst dankbar", sagte Hardison, der im US-Staat Mississippi wohnt. "Obwohl ich nicht weiß, wer sie sein könnten, bete ich jeden Tag für sie."

Er sei sich bewusst, welch schwierige Entscheidung sie getroffen hätten, um ihm zu helfen. Er danke auch Rodriguez und seinem Team. "Sie haben mir mehr gegeben als ein neues Gesicht. Sie haben mir ein neues Leben gegeben."

Die weltweit erste Gesichtstransplantation erfolgte 2005 in Frankreich. Eine damals 38-jährige Französin erhielt Mund, Nase und Kinn einer hirntoten Spenderin. Sie war von einem Hund angefallen worden.

Im April 2006 erhielt ein 30 Jahre alter Jäger in einer 18-stündigen Operation in der chinesischen Stadt Xian eine neue Wange, eine Oberlippe, eine Nase und eine Augenbraue. Ein Bär hatte sein Gesicht übel zugerichtet.

Tränenwegsystem verpflanzt

Die bis dahin umfassendste Transplantation gelang Ärzten im Dezember 2008 einer Klinik in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio). Bei ihrer Patientin ersetzten sie 80 Prozent des Gewebes, neben der Haut auch Knochen, Muskeln, Nerven, Blutgefäße und Zähne.

In einer bis dahin einmaligen Operation erhielt im Juli 2010 ein 35-Jähriger, der an Neurofibromatose leidet, in Frankreich das komplette Gesicht eines Toten. Den Spezialisten gelang es erstmals, auch die Augenlider und das komplette Tränenwegsystem zu verpflanzen.

Im Oktober 2012 gaben 150 Ärzte und Schwestern im Bundesstaat Maryland in einer 36 Stunden dauernden Operation einem Mann ein ganzes Gesicht, beide Kieferknochen, Zunge und Zähne. Nach Angaben der Mediziner ist es der bis dahin umfassendste Eingriff dieser Art.

Ursache war ein Unfall mit einem Jagdgewehr.Im März 2015 gelang Ärzten im spanischen Barcelona eine besonders komplizierte Transplantation. Sie verpflanzten nicht nur Teile eines neuen Gesichts, sondern zudem Transplantate für Mund, Zunge, Hals und Rachen.

Der Patient litt an einer Krankheit, die zu tumorartigen Fehlbildungen im Gesicht führte, das Seh- und Sprechvermögen beeinträchtigte und lebensgefährliche Blutungen auslöste. (dpa)

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