Ärzte Zeitung, 30.11.2015

Gewässer-Belastung

Gadolinum zeigt Arzneireste im Wasser

BREMEN. Rückstände aus Magnet-Resonanz-Tomografie-Kontrastmitteln können Indikator für Medikamentenrückstände im Grundwasser sein. Das jedenfalls meint Professor Michael Bau, Geowissenschaftler an der Jacobs University in Bremen.

Er hat im Grundwasser von Bremen oder Berlin immer höhere Konzentrationen von Gadolinum festgestellt. Gadolinum ist eine so genannte seltene Erde, die im Kontrastmittel für MRT-Untersuchungen eingesetzt wird.

"Wir haben Daten für praktisch jeden deutschen Fluss", sagt Bau der "Ärzte Zeitung". In Berlin habe sich der Gadolinum-Eintrag ins Grundwasser in manchen Bezirken in den letzten zehn Jahren verdreifacht.

Gar nicht so schlimm, sagt Bau. Nicht nur, weil Gadolinum in den vorkommenden Mengen im Grundwasser weit von der Schädlichkeitsgrenze entfernt ist und eine Filterung unnötig wäre. Sondern auch, weil es Indikator sein kann für Reste von Arzneimitteln, Zuckerersatzstoffen oder Körperpflegemitteln im Wasser, die so genannten "abwasserbürtigen Stoffe", erklärt Bau.

Kläranlagen oder die natürliche Filtration können Gadolinum nicht aus dem Wasser holen, so Bau. Wo kein zusätzliches (anthropogenes) Gadolinum zu finden sei, "kann man ziemlich sicher sein, dass es andere abwasserbürtige Stoffe auch nicht geschafft haben".

In Berlin etwa finde sich zusätzliches Gadolinum fast nur im Grundwasser der Westberliner Bezirke. "Das heißt, die Ostberliner Grundwässer brauchen sie nicht mehr auf Rückstände von Arzneimitteln zu untersuchen", sagt der Geowissenschaftler. (cben)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »